Die Ausbreitung der Lehre und Stiftung des ersten Klosters.

 

Als die sechzig Geheilten von Benares aus in die Lande zogen, um die frohe Botschaft von der Erlösung zu verkünden, da strömten viele der Stillen im Lande herbei, die schon lange nach dem Heil gesucht hatten. Die Mönche brachten diese vor den Meister, damit er sie in die Schar der Mönche aufnehmen möge, denn bisher hatte allein der Buddha ordiniert. Dies Verfahren erwies sich nun als unzweckmäßig, denn sowohl die Mönche wie die Anwärter wurden dadurch ermüdet und belästigt, dass sie so weite Wege machen mussten. Der Erwachte wandte sich daher an seine Mönche und erklärte, er sei zu dem Schluss gekommen, dass es jetzt zweckmäßiger sei, wenn der die Ordinationsbefugnis delegiere. Jeder der sechzig Geheilten dürfe von nun an Jünger aufnehmen, und zwar in folgendem Verfahren: Der Anwärter müsse sich zuerst Haar und Bart scheren, das fahle Gewand anlegen, vor dem Mönch niederknien und mit zusammengelegten Händen dreimal sprechen: "Zum Erwachten nehme ich meine Zuflucht, zur Lehre nehme ich meine Zuflucht, zur Gemeinde der Heilsgänger nehme ich meine Zuflucht."

Bisher wurde Zuflucht zur Person des Buddha genommen, jetzt auch zu der Person der Geheilten, d.h. seinen "aus dem Munde geborenen Söhnen". Der Sangha, zu dem man Zuflucht nahm, war also die Gemeinschaft der Heilsgänger und Geheilten.

Der Ruf der Lehre verbreitete sich nun von Mund zu Mund immer mehr. Viele Anhänger wurden Unterstützer des Ordens in Benares und Umgebung. Indiens beste Denker horchten auf, die Trommel der Todlosigkeit begann hörbar zu werden, der Löwenruf erscholl.

Der Buddha bekam den Ruf: "Der Erhabene, Geheilte, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Wohlgegangene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Menschenherde, der Meister der Götter und Menschen… er hat alle unheilsamen Zustände hinter sich gelassen und alle heilsamen gewonnen. Ein unbesiegbarer Sieger ist er. Er hat Einblick in alle Weisheit und alle Tugend. Er ist ein Meister, der sich gemeistert hat. Er wandelt und lehrt Menschen und Götter, was gut ist."

Der Zug des Buddha mit den tausend Mönchen machte vor der Hauptstadt des Magadhareiches, vor Rajagaha, in einem nahegelegenen Palmengarten, halt.

Vor sieben Jahren hatte der damalige Bodhisatta dem König von Maghada, Seniyo Bimbisara, versprochen, dass er ihm Kunde vom Todlosen bringen würde, wenn er es gefunden hätte. Dieses Versprechen erfüllte nun der Erwachte. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht, dass der Asket Gotamo zusammen mit tausend brahmischen Asketen dort weilte. Da zog der König mit seinen Leuten, gefolgt von einer großen Menge, zu jenem Palmengarten hin. Als man Buddha und Kassapa nebeneinander sah, erhoben sich Zweifel, wer von beiden der Lehrer, wer der Jünger war. Der Asket Gotamo war doch erst sechsunddreißig Jahre alt, während Kassapa dreimal so alt war. Doch Kassapa stand von seinem Sitz auf, neigte sein Haupt zu den Füßen Buddhas und sprach: "Der Herr ist der Meister, ich bin der Schüler."

Nachdem der König und seine Begleitung dies gesehen hatten, wurde ihr Vertrauen zum Buddha gewaltig gefestigt. Wenn der hochangesehene, uralte und weise Kassapa dem jungen Asketen Gotamo zu Füßen fiel und als Lehrer anerkannte und wenn er etwas Besseres als die besten Opfer gefunden hatte, dann lohnte es sich, zuzuhören. Und der Buddha wandte sich an den König und die Menge, und er sprach vom Geben, von der Tugend, von seliger Welt, machte der Begierden Elend, Niederziehung, Trübung und der Sinnensuchtfreiheit Vorzüglichkeit offenbar. Und als er merkte, dass seine Hörer nun ganz aufgeschlossen und bereit waren, da gab er ihnen die eigentliche Lehre, die Lehre vom Unterschied zwischen der Vergänglichkeit des Samsara und der Todlosigkeit des Nirvana. Und die ganze große Menge erlangte gleicherweise durch diese fünfstufige Belehrung den Stromeintritt. So wie die Bekehrung Kassapos die größte Massenbekehrung von Asketen darstellte, so war die Bekehrung des Königs gleichzeitig die größte Massenbekehrung von im Hause Lebenden.

Der König sprach darauf, der Erhabene möge ihn als Anhänger betrachten, zeitlebens nehme er Zuflucht zum Erwachten, zur Lehre, zur Gemeinschaft der Heilsgänger. Er ist hinfort sein langes Leben hindurch ein treuer Freund und Beschützer Buddhas und seiner Lehre gewesen.

Und er lud den Erwachten und die ganze Schar der Mönche zum nächsten Tag in den Palast zum Mahle ein. Schweigend gewährte der Erhabene die Bitte. Am nächsten Tag zog der Buddha an der Spitze der Mönche zum Palast. Der König sprach nach dem Mahl, er könne nun einfach nicht mehr ohne die drei Kleinodien leben. Er würde gern immer noch mehr von der Lehre hören. Aber der Palmgarten sei sehr weit außerhalb. Doch hier in der Nähe habe er einen wunderschönen Bambuspark, den möchte er dem Orden stiften. Er sei sehr still und daher für Asketen gut geeignet und doch nicht zu weit von hier.

Der Buddha nahm das Geschenk an – der König half sich selber, dem Orden und den Menschen durch diese Stiftung am besten. Der Bambuspark wurde so das erste buddhistische Kloster und Zentrum – ein Parkgelände war damals die übliche Klosterweise. Oft weilte der Buddha dort in den folgenden Jahren, und viele Lehrreden sind "im Bambuspark am Hügel der Eichhörnchen" gesprochen worden. Zahlreiche Klöster folgten später, so dass einer der Nachfolger Bimbisaros, Kaiser Ashoka, das Land als Land der Klöster (Vihara) bezeichnete, den es noch heute als indisches Bundesland Bihar ('v' wechselt im Indischen oft zu 'b') trägt.