|
|
Der Buddha sprach nicht nur für Mönche und Nonnen... |
Der Buddha hatte es bei seinen Diskussionen und Unterweisungen vorwiegend mit drei Gruppen von Menschen zu tun: Einmal mit denkgewohnten und denkgeübten Philosophen, Priestern und solchen, die mit den verschiedenen Weltanschauungen im Ganzen und im Einzelnen bekannt waren. Ferner mit dem Gros der Bürger mit mehr oder weniger milieubedingten und mit milieugeprägten Auffassungen, die oft zwar ebenfalls sehr denkgeübt, aber mit den verschiedenen Denkformen und Weltanschauungen nicht so vertraut waren. Endlich mit seinen Mönchen, Nonnen und im Hause lebenden Anhängern, also mit denjenigen, die sich nach gründlicher Prüfung endgültig unter die Führung des Erwachten und seiner Lehre gestellt hatten.So gab es also Gespräche des Erwachten mit brahmanischen Hausleuten, also mit Vertretern der zweiten Gruppe, mit Menschen also, die sich zu der Hauptreligion bekannten, die zur Zeit des Erwachten in Indien herrschte, die aber nichtsdestoweniger mit jener ganz Indien durchziehenden Toleranz über wichtige und entscheidende Lebensfragen jeden anhören mochten, der ihnen nach seinem Auftreten, nach seinem Wissen und Wandel anhörenswert erschien. Ein Beispiel dafür sind die Kalamer: Dies hab ich vernommen. Einstmals kam der Erhabene auf seiner Wanderung im Kosalerlande zusammen mit einer großen Schar von Mönchen zu einer Stadt der Kalamer namens Kesaputta. Es vernahmen nun die Kalamer aus Kesaputta die Kunde: "Der Asket Gotamo, der Sakyersohn, der aus dem Sakyergeschlecht in die Hauslosigkeit zog, ist in Kesaputta eingetroffen. In den meisten Berichten sehen wir, dass der Erwachte nicht in den Ort hineingeht. Er drängt sich nie und nirgends als Lehrer auf, sondern weilt in der Nähe eines Ortes im Wald oder in einem privaten Park, der ihm als Aufenthalt angeboten wurde, oder in den früher in Indien üblichen von den Bürgern gebauten Versammlungshallen für Pilger und Mönche, zu denen dann die Bürger mit ihrer Wahrheitssuche kamen. Darin haben wir ein unauffälliges Zeichen der tiefen Erfahrung des Buddha. Er hat immer nur da gesprochen, wo Menschen fragend an ihn herantraten, und hat auch diesen Menschen immer nur so weit Wahrheit gesagt, wie sie es wissen wollten. Das ist einer der Gründe, weshalb er so viele Anhänger gewinnen konnte und sein Leben ganz ohne Verfolgung und Streit verlief, bis er im Alter von über achtzig Jahren im großen Kreis verehrender Mönche und Bürger seinen Aufenthalt in der Welt in Frieden abschloss. Der Buddha war zu dieser Zeit in Indien schon berühmt. Das liegt nicht nur daran, dass er schon längere Zeit als Buddha lehrte, sondern liegt weit mehr an seiner Größe und Klarheit. Ein mittelmäßiger Lehrer kann Jahrzehnte durch die Lande ziehen, wird aber schnell wieder vergessen. Aber einer, der noch nie in einem Redestreit besiegt worden ist und der vor allem, wie es Zeugen berichten, auch nie als Sieger dastehen wollte, sondern die Gesprächspartner, die ihm oft mit wohlersonnen Fangfragen Fallen stellen wollten, nur versöhnte, befriedete und beglückte, so dass sie fast immer zu ihm übertraten - das ist eine seltene und wohltuende Erscheinung in der Welt, eine Sonne am geistigen Himmel. Darum waren auch bald schon die besten Denker und Wahrheitssucher aus den ersten Häusern seine Anhänger geworden, und viele von ihnen waren als Mönche in seinen Orden getreten. Dieser Vorgang har natürlich auch deren Familien aufgerüttelt, und so ging bald durch die ganze Oberschicht und von daher durch alle Schichten der Bevölkerung in Indien ein Raunen über die geistige Größe dieses Buddha, dessen Mönche vorwiegend zur Elite des Landes gehörten. Und so begaben sich die Kalamer aus Kesaputta dorthin, wo der Erhabene weilte. Dort angelangt, brachten einige dem Erhabenen ihre Verehrung dar und setzten sich zur Seite nieder; einige begrüßten den Erhabenen und setzten sich zur Seite nieder; einige begrüßten den Erhabenen und setzten sich zur Seite nieder; einige streckten ihre zusammengelegten Hände dem Erhabenen entgegen und setzten sich zur Seite nieder; einige gaben Namen und Familie kund und setzten sich zur Seite nieder; einige setzten sich schweigend zur Seite nieder. Danach dann sprachen die Bürger zum Erhabenen und brachten ihre Fragen vor. Im Fall der vorliegenden Lehrrede, die hier nur ganz kurz angerissen werden soll, fragten die Bürger danach, dass viele der Asketen, die ihre Stadt besuchen, nur ihre eigenen Auffassungen leuchten und glänzen lassen, andere Auffassungen "verachten und verwerfen sie, beschimpfen und schmähen" sie. "Da sind wir denn, o Herr, im Zweifel, im Unklaren, wer wohl von diesen Asketen und Brahmanen Wahres und wer Falsches lehrt". Der Buddha beginnt seine Antwort mit der Versicherung, dass die Zweifel der Kalamer unter den geschilderten Umständen verständlich seien, eine Feststellung, die eine eigenständige Urteilsbildung ermutigt. Als nächstes spricht er von vier unsicheren Wegen der Wahrheitsfindung. Diese sind: ausschließlich nach Berichten und Traditionen, nach der Autorität heiliger Schriften, nach bloßen Vernunftgründen, logischen Schlüssen, nach bevorzugten Prinzipien und Meinungen, nach einer vielversprechenden Erscheinung oder der Autorität eines Meisters zu gehen. Er rät den Kalamern aber: "Wenn ihr selbst erkennt: Diese Dinge sind unheilsam, sind verwerflich, werden von Verständigen getadelt und führen zu Unheil und Leiden, dann Kalamer, solltet ihr sie lassen." Da ein solcher Rat bedenklich sein kann, wenn man ihn Menschen erteilt, die ein weniger entwickeltes ethisches Bewusstsein haben, können wir davon ausgehen, dass der Buddha die Kalamer als Menschen mit feinen moralischen Spürsinn angesehen hat. Doch verwies er nicht allein auf ihr eigenens Erkenntnisvermögen, sondern führte sie mit seinen Fragen zu der Erkenntnis, dass Begehren, Hass und Verblendung schädlich und leidvoll seien, sowohl für den Einzelnen als auch für die Allgemeinheit. Sie sollten daher überwunden werden, während die ihnen entgegengesetzten Kräfte der Gierlosigkeit, Hasslosigkeit und Unverblendung entwickelt werden sollten, weil sie für alle Wesen Gutes bewirkten. Anschließend erklärt der Buddha, dass ein von Begehren und Übelwollen befreiter unverwirrter edler Jünger so lebt, dass er ohne Schranken die Welt mit Freundschaft, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut durchstrahlt. Und so erfreut er sich hier und jetzt in dieser Welt vier tröstenden Gewissheiten: 1. Gibt es ein Leben nach dem Tod und ein karmisch gewirktes Ergebnis guter und schlechter Taten, dann erfährt der edle Jünger eine angenehme Wiedergeburt, 2. gibt es aber kein Leben nach dem Tod und kein karmisch gewirktes Ergebnis guter und schlechter Taten, dann lebt er dennoch glücklich in dieser Welt hier und jetzt, 3. widerfährt einem Übeltäter als Ergebnis (seiner schlechten Taten) Schlechtes, so wird dies dem edlen Jünger nicht passieren, 4. widerfährt einem Übeltäter als Ergebnis (seiner schlechten Taten) aber nichts Schlechtes, so weiß sich der edle Jünger in beiderlei Hinsicht geläutert. Ein dies Verstehender führt einen tugenhaften sittlichen Wandel in jedem Fall, weil er weiß, dass solches Verhalten ihm zum Vorteil gereicht. Um in der Welt möglichst ungestört durch andere Genüssen nachgehen zu können, muss man sich so verhalten, dass die Menschen entgegenkommend sind, nicht zanken, streiten und betrügen. Wie kann ich bewirken, dass die Menschen mir entgegenkommen, mir gewähren? Ich muss ihnen entgegenkommen, ihnen gewähren. In diesem Sinne sagt schon der Volksmund: "Wie man sich bettet, so schläft man" oder "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus." Dieser stufenweisen Lehrdarlegung des Buddha erweisen die Kalamer dann ihre dankbare Anerkennung und entschließen sich zum Zufluchtsgang zu Buddha, Dhamma und Sangha.
|
|