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Vor etwa 2500 Jahren belehrte der Buddha, der Erwachte, seine Zeitgenossen - Mönche, Nonnen sowie im bürgerlichen Stand stehende - über die Ursachen aller Leiden des Lebens und über die Wege zu ihrer vollständigen Überwindung.
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Heute sind wir räumlich und zeitlich schon weit von dem historischen Buddha entfernt, aber wir können noch viel über ihn lesen und über sein Leben und seine Lehre meditieren. Die älteste und zugleich sicherste Quelle ist der Palikanon. Als predigend durch Indien ziehender Mönch hieß er bei seinen Zeitgenossen auch oft "der Asket Gotamo". Die Bennenung Gotama Buddhas als Sakyamuni d.h. "der Weise aus dem Sakyergeschlecht" gehört der poetischen Redeweise an, in der ältesten Literatur erscheint sie ganz selten. Weitere Ehrentitel waren Jina d.h. "der Sieger, Weltüberwinder", Bhagava d.h. "der Erhabene" oder Arahat d.h. "der Vollkommen-Heilige". Der Buddha sprach von sich selbst meist in der dritten Person als Tathagata, d.h. "der in solchen Zustand Gelangte" bzw. "der diesen Weg Gegangene". In die deutsche Sprache übersetzt bedeutet Buddha: Der Erwachte. Lesen wir zur Einführung einen Bericht über Anathapindika, einem reichen Kaufmann, als er zum ersten Mal dem Buddha begegnete: Zu der Zeit lebte der Hausvater Anathapindika, der Schwager eines reichen Kaufmanns von Rajagaha. Und der Hausvater Anathapindika reiste nach Rajagaha aus irgendwelchem Anlass. Zu der Zeit aber war von dem reichen Kaufmann von Rajagaha für den nächsten Tag die Mönchsgemeinde mit Buddha an der Spitze eingeladen worden. Daher gab der reiche Kaufmann verschiedene Anweisungen an seine Diener. Da dachte der Hausvater Anathapindika: "Wenn ich früher kam, ließ dieser Hausvater alle Geschäfte liegen und tauschte mit mir Worte des Grußes; jetzt aber gibt er, verwirrt aussehend, seinen Diener Anweisungen. Wie nun, feiert dieser Hausvater Hochzeit oder steht ein großes Fest bevor oder ist für morgen der König Bimbisara eingeladen?" Auf die entsprechende Frage antwortete der Kaufmann: "Es steht ein grosses Fest bevor, denn für morgen habe ich die Gemeinde der Mönche mit Buddha an der Spitze eingeladen." "Buddha, sagst du?" "Buddha sage ich." "Buddha, sagst du?" "Buddha sage ich." "Buddha, sagst du?" "Buddha sage ich." "Selten zu hören ist auf dieser Welt das Wort `Buddha, Buddha`. Ist es möglich, o Hausvater, jetzt zu dem Erhabenen zu kommen um ihn zu besuchen, zu dem Heiligen, dem völlig Erwachten?" "Es ist jetzt keine Zeit, zu dem Erhabenen zu kommen und ihn zu besuchen, morgen wirst du zur rechten Zeit kommen können, um ihn zu besuchen, den völlig Erwachten." Wenn wir heutzutage den Namen "Buddha" hören, dann löst dieser Begriff bei uns ebenfalls Vorstellungen oder Emotionen aus, meist diejenigen Vorstellungen, die wir irgendwann durch Lesen oder Hören im Zusammenhang mit diesem Begriff in uns aufgenommen haben. Was ist ein Buddha? Zunächst ist Buddha ein indisches Wort, das im Sanskrit und Pali gleich lautet und das uns geläufig scheint. Wer weiß aber genau, was es bedeutet? Grammatikalisch ist es ein zweites Partizip zum Verb bujjhati = wach sein, wach wahrnehmen, erkennen. Buddha heißt also: wach, wach sein und als Wacher wahrnehmen. Ein Erwachter ist jemand, der wach ist und wach bleibt. Woraus aber ist ein solcher Erwachter erwacht? Es heißt: Die Weltmenschen seien Schläfer, "schlafend erwachen sie nicht". "Aus dem Schlaf erwacht, erinnert sich der Erwachte früherer Leben". Damit ist schon ausgedrückt, dass die Rückerinnerung an frühere Leben eine Form des Erwachens aus dem Daseinstraum ist, in welchem die jeweilige Existenz uns Schlafende als scheinbar einzige Realität fasziniert. Das aber ist nur die erste von drei Stufen des Erwachens, die dem Durchbrechen des Kükens aus dem Ei verglichen werden. Wenn wir uns nur an ein einziges früheres Leben erinnern könnten, würden wir sehr vieles an unserem jetzigen Leben und am Leben anderer besser verstehen, würden wir die Schicksalsfäden besser durchschauen; wie erst bei größerem Überblick und wie erst bei den zwei weiteren Weisheitsdurchbrüchen eines Erwachten, die in einem anderen Kapitel beschrieben werden. Der Erwachte sagt uns: Wir sind alle tief im Schlaf und träumen, und wir wissen nicht, dass wir träumen. Daher müssen wir aufgeweckt werden. So heißt es denn, dass der Erwachte die Trommel der Unsterblichkeit ertönen lässt, um die Sterblichen zu erwecken. oder dass er einen Löwenruf erschallen lässt, der bis ins Mark dringt. Dann und wann erscheit ein Buddha auf Erden. Zu der Zeit gibt es auf Erden auch Wesen, die aufnahmeunfähig sind, weil sie Tiere sind oder weil sie als Mensch keine Aufnahmebereitschaft, kein Interesse haben. Für sie ist der Buddha vergeblich erschienen. Der Buddha sagt aber: Alle Wesen, die dann nicht aufnehmen können, sind im Laufe des Samsara auch immer wieder unter Bedingungen, wo sie aufnehmen können. Unsere Entwicklung verläuft nicht gradlinig auf und ab. Wir empfangen immer wieder Anstöße, bald gute, bald schlechte, die im Samsara bald mehr hinauf- und dann wieder mehr abwärtsziehen, je nach der geistigen Aufnahmebereitschaft des Geistes, die die Triebe wandelt und damit unser Handeln und damit unser Ergehen bestimmt - auf und ab. Im Samsara ist fast alles möglich, weil wir alle unerlösten inneren Verfassungen schon gehabt haben und weil in gewissem Wechsel auch alle immer wieder eintreten, innerlich und äußerlich. Es gibt eine Unmenge Ursachen im Samsara, die eine Unmenge Wirkungen nach sich ziehen. Wenn von außen der rechte Anstoß herantritt und innen gerade Aufnahmebereitschaft ist, dann kann die rechte Anschauung Wurzel fassen, und je nach der geistigen und seelischen Beschaffenheit des Wesens kann sie gepflegt oder wieder überdeckt werden. Jeder von uns, der Zusammenhänge ergründen will, weiß, dass manchmal bei ihm mehrere gute Einsichten kulminieren, so dass er einer neuen Dimension der Wahrheit näherkommt. Und wenn er insgesamt die sanfte Begegnung mit den Mitwesen anstrebt, nicht mehr das Gemüt anderer betrübt, verdunkelt und selber in seinem Gemüt fast nie mehr in Gewittern wohnt, sondern wohlwollend, heiter ist, dann hat er nur sehr dünnen Wahn, kann immer mehr zu weiteren Erkenntnissen kommen. Wenn solchen Menschen ein Buddha erscheint, dann kann er sie u.U. in einem einzigen Gespräch überzeugen. So war es bei Anathapindika. Da dachte der Hausvater Anathapindika: "Morgen werde ich zur rechten Zeit zu dem Erhabenen kommen, um ihn zu besuchen..." und er legte sich, immer mit seinen Gedanken bei Buddha weilend, nieder. Dreimal in der Nacht stand er auf, da er meinte, es sei schon Morgen. Zu der Zeit war der Erhabene in der Nacht gegen die Morgendämmerung hin aufgestanden und wandelte unter freien Himmel. Es sah der Erhabene den Hausvater Anathapindika von fern her kommen, er ließ sich auf einen Sitz nieder. Und er sprach zum Hausvater Anathapindika: "Komm, Sudatta". Da dachte Anathapindika: Der Erhabene redet mich mit Vornamen an. Und erfreut und entzückt ging er zu dem Erhabenen hin, fiel mit dem Haupte dem Erhabenen zu Füßen und sprach: "Hat der Erhabene wohl geruht?" Der Buddha erwiderte: "Immer wohl ruht der , der Nirvana erreicht, vom Irdischen befreit, alle Anhänglichkeit zerstört und im Herzen die Furcht getilgt hat." Darauf erklärte der Erhabene dem Hausvater Anathapindika der Reihe nach die Lehre und dieser begriff und als er die Lehre eingesehen hatte und in die Lehre eingedrungen war, da war er befreit von Zweifeln und frei von Ungewissheit; er hatte Vertrauen erlangt und sprach zum Erhabenen: "Es ist erreicht, Herr, es ist erreicht, Herr... Ich, Herr, nehme meine Zuflucht zu dem Erhabenen, ich nehme meine Zuflucht zu der Lehre, ich nehme meine Zuflucht zu der Gemeinde; möge mich der Erhabene als Laienmitglied aufnehmen, der ich von heute an bis zu meinem Lebensende zu ihm meine Zuflucht genommen habe." Anathapindika ist in diesem Moment, nach einem ersten Gespräch mit dem Buddha, ein Stromeingetretener geworden. Das bedeutet, dass er unfehlbar auf die Erwachung zugeht und diese nach maximal sieben Wiedergeburten erreicht. Auch wir haben doch Sehnsucht nach Wahrheit und bewerten sie als das Wichtigste und möchten sie gewinnen. Wir sagen nicht vom Gemeinen, von dem Alltäglichen und dem Sichgehenlassen: "Das ist es, was ich gewinnen muss", sondern wir sind schon oft in unserer Grundbewertung dahin gerichtet. Wir sind viele, viele Male ganz nahe daran gewesen und sind viele, viele Male ganz weit davon entfernt gewesen. Und die Reste von allem haben wir in uns. Wir können alles werden, es kommt darauf an, wie wir wirken. Der Buddha hilft uns, die Wahrheit zu erkennen und zeigt für jeden lohnende Ziele, so dass, wer etwas Anziehung in der Richtung hat, entzündet wird zur Tugend, zu hellerem, edlerem Leben voll Achtung zu allen Wesen und im zwischenmenschlichen Verkehr besänftigend, befriedend, entspannend, so wie die Götter miteinander umgehen. In Tugend und Weisheit wird man bestärkt durch den Umgang mit der Lehre des Erwachten und dadurch kommt einem der Buddha immer näher. Hinzu kommt: Derjenige Buddha, den wir bei der ersten Begegnung kennengelernt zu haben glaubten, ist noch nicht der eigentliche Buddha. Das ist nur der erste magnetische Strahl aus der Richtung. Viele merken nach einigen Jahren, dass sie den Buddha allmählich besser kennen lernen. Wir kommen ihm etwas näher durch Aufnahme seiner Lehre und durch Arbeit am eigenen Herzen. Und wir müssen daraus schließen, dass sich unser Bild eines Buddha im Laufe unseres Vorwärtskommens immer wieder etwas ändert. (Quellen: Paul Debes: WW 1989, H. Hecker: Das Leben des Buddha, Cullavagga: VI)
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