|
|
Wenn es einmal ächzt und kracht im Bau der Gesellschaft und die Fugen sich lockern, so kommt es daher, dass an irgendeiner Stelle nicht genug Dankbarkeit sitzt. (F.W. Foerster) |
|
In Magadha regierte König Ajatasattu, der seinen Vater, König Bimbisaro umgebracht hatte. Bei ihm kam jetzt die Machtgier zum Durchbruch. Zudem suchte er wegen seines schlechten Gewissens Ablenkung. Und so hatte er die Absicht gefasst, die Vajjiner auszurotten und ihr Land seinem Volk einzuverleiben. So die politische Situation. Der König hatte einen Marschall namens Vassakaro und diesem gab er den Auftrag, zum Buddha auf den Geierkulm zu gehen, dort seinen Kriegsplan bekanntzugeben und dann zu hören, was wohl der Buddha dazu sagen würde. Ajatasattu war sich also offenbar seiner Sache nicht ganz sicher: Er wusste ja, dass der Buddha Gewalt und Krieg verurteilte; aber er wusste auch, dass der Erwachte die Herzen der Menschen und die Zukunft durchschaute. Wenn der Krieg unglücklich auslaufen würde, dann würde er dies vielleicht irgendwie andeuten. Jedenfalls dachte Ajatasattu, dass es nichts schaden, sondern nur nützen könne, wenn er vor seinem Feldzug die Meinung des Buddha hören würde. Er ging aber nicht selbst zu ihm, weil er eben doch ein schlechtes Gewissen bei der Sache hatte. Und so schickte er Vassakaro. Während also der Marschall pflichtgetreu seinen Bericht über den Kriegsplan des Königs erstattete, stand Anando hinter dem Erwachten und fächelte ihm Kühlung zu. Da wandte sich nun der Erhabene an ihn und stellte, ohne Vassakaro direkt anzusprechen, sieben Fragen über die Lebensverhältnisse der Vajjiner. Auf diese Fragen gab Anando folgende Antworten: Die Vajjiner kämen häufig zu Ratsversammlungen zusammen; dabei berieten sie sich von Anfang an einträchtig; sie höben ihre alterprobten Gesetze nicht auf; sie folgten dem Rat der Älteren und Erfahrerenen; sie raubten keine Frauen; sie widerriefen keine Schenkungen und stifteten für religiöse Stätten: Und sie gewährleisteten allen ehrwürdigen Asketen und Pilgern Schutz und Schirm. Mit diesen sieben Eigenschaften, sagte nun der Buddha, sei ein Wachsen und Blühen der Vajjiner zu erwarten, kein Schwinden. Er, der Buddha, habe diese sieben Regeln schon vor längerer Zeit den Vajjinern gegeben. Darauf erwiderte der Marschall spontan: Auch nur eines dieser sieben Dinge würde genügen, um das Volk lange bestehen zu lassen. Solange die Vajjiner diese sieben Dinge hochhielten, sei es für den Maharaja von Maghada unmöglich, sie zu besiegen. In dieser Überzeugung begab er sich sodann zum König und berichtete, dass es zwecklos sei, einen Krieg gegen die Vajjiner zu führen. So tief waren die damaligen Inder von den inneren Dingen überzeugt, dass dieser Hinweis auf die moralische Überlegenheit und Integrität genügte, um einen Angriffskrieg zu verhüten. Auch später, nach dem Tod des Buddha, konnte Ajatasattu nur kurzfristig den Vajjinern durch Verrat beikommen. Sie bestanden noch tausend Jahre nach dem Tod des Buddha als Staat. In einer ganzen Reihe von Reden hatte der Buddha früher schon Anathapindiko gute Ratschläge für einen buddhistischen Bürger gegeben: Er und seine Freunde spendeten an den Orden und freuten sich daran, aber das sei nicht genug. Von Zeit zu Zeit sollten sie auch das Glück der Abgeschiedenheit erwirken, der Lehre gedenkend. Es gebe, sagte er an anderer Stelle, vier Arten von Glück: Das Glück des Besitzes, des Genusses, der Schuldenfreiheit und das Glück des guten Gewissens. Oder: Vier Dinge seien in der Welt schwer erlangbar: Dass einem rechtmäßig Reichtum erwächst, Ehre, langes Leben und himmlische Wiedergeburt. Diese vier erwünschten, erfreulichen, angenehmen Umstände, die aber schwer in der Welt erlangbar sind, würden durch vier Eigenschaften erreicht, nämlich durch Bewährung in Vertrauen, Tugend, Freigiebigkeit und in Weisheit. Wer aber dadurch Besitz erworben hat, der soll sich selbst, seine Familie und seine Freunde und seine Leute glücklich machen; soll Gefahren abwehren, soll die verschiedenen Abgaben leisten und soll den Asketen spenden. Sehr ähnlich sagt er in einer anderen Rede: Wer sinnlich genießen wolle, der müsse erstens seinen Besitz ehrlich erwerben, zweitens sich selbst glücklich machen, anstatt zu geizen, drittens Geschenke geben und gute Werke tun, viertens aber nicht blind an seinem Vermögen hängen, sondern dessen Vergänglichkeit sehen und den Ausweg kennen. Dem gleichen Grundsatz entsprachen auch die Äußerungen des Buddha zu Bürgern über die Ehe. Die Frage, wann zwei liebende Gatten sich im nächsten Leben wiedersehen könnten, wies er nicht etwa ab, sondern gab zur Antwort: Wenn sie sich um Vertrauen, Freigiebigkeit und Weisheit bemühen. Als der Buddha einmal auf Wanderung war, wanderten gerade auch viele Bürger mit ihren Frauen dort. Da bog er vom Weg ab, setzte sich unter einen Baum und gab den Ehepaaren, die sich um ihn herum setzten, folgende Belehrung: Es gäbe vier Arten des Zusammenlebens: Ein Gemeiner mit einer Gemeinen, ein Gemeiner mit einer Edlen, ein Edler mit einer Gemeinen und ein Edler mit einer Edlen. Edel ist dabei, wer die zehn guten Wirkenspfade beschreitet (die sieben Tugendregeln erfüllt, Habsucht und Übelwollen und falsche Anschauung meidet), Rauschmittel meident, nicht geizig ist und Asketen ehrt, anstatt sie zu lästern. Der Buddha ermahnte auch zur Toleranz. Zwei ehemalige Unterstützer der Jinas, die seine Anhänger geworden waren, Upali und Siho, bat er, sie möchten jenen anderen Asketen, denen sie lange ihr Haus geöffnet hätten, auch weiterhin spenden und ihnen nicht abprupt die Tür weisen. Diese Toleranz hatten beide nicht erwartet, und sie wurden dadurch noch sicherer in der Lehre, die keine anderen Asketen zu fürchten hat. Upali ordnete nur an, dass die Jinas bei ihm nicht mehr zum Gespräch eingeladen würden, aber Spenden weiter erhalten könnten. Ein andermal verneinte der Buddha ausdrücklich die Frage, ob er lehre, dass man nur ihm und seinen Mönchen geben soll: Wer jemanden vom Geben abhalte, an wen auch immer, der schädige nicht nur jenen, sondern auch sich selbst. Sogar die Reste in der Schüssel den Tieren zu geben, sei gut, wie erst jede Gabe an Menschen, gleichgültig welcher Art. Allerdings gewähre die Gabe an Tugendhafte den höheren Lohn. Zu Anathapindiko sagte der Buddha: Wer die fünf Untugenden (töten, stehlen, unrechter Geschlechtsverkehr, lügen, Genuss berauschender Getränke) meide, der überwinde alle Furcht und Feindseligkeit, die ihm im Diesseits und Jenseits begegnen könne, sowie die dadurch bedingten Wehgefühle. Wenn ein solcher nun unverbrüchlich beim Buddha, bei der Lehre und dem Orden zufrieden sei und die zum Herzensfrieden führenden Tugenden auf Grund der Erkenntnis des Bedingungszusammenhanges übe, dann könne er erklären, er sei der Hölle und dem Abweg entronnen.
|
|