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Der Buddha gab in seinen Lehrreden viele Gleichnisse in der Absicht, unbekannte oder verborgene Dinge oder Zusammenhänge dadurch leichter verstehbar zu machen. |
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Ebenso wie Jesus ging der Buddha dabei von dem sinnlich vor Augen liegenden aus, von der bunten Vielfalt des Lebens, vom Alltag. Die dortigen anschaulichen Verhältnisse und Beziehungen wurden von ihm in ihrem tieferen Wesen erfasst, so dass meist schon das aus dem Leben gegriffene Bild in sich selber eine erhellende, augenfällige Offenlegung von Zusammenhängen des praktischen Lebens erhielt, welches Zutrauen in die umfassende Beobachtungsgabe und Erfahrung des Buddha erweckte. Und dann wurden diese Bilder des diesseitigen Lebens auf entsprechende seelische, geistige und jenseitige Verhältnisse übertragen. So führte jedes Gleichnis vom Bekannten zum Unbekannten hin. Das war nur deswegen mit so überraschender Präzision möglich, weil im Grunde die sinnliche Welt nur Spiegelung des Herzens, ein Gleichnis der Psyche ist und er läßt durch sie zwanglos und mit zunehmender Deutlichkeit merken, wie eben die ganze Welt nichts als ein Symbol psychischer Kräfte ist. Die gesamte Aussage des Buddha aus seiner 45jährigen Lehrtätigkeit ist von Gleichnissen durchsetzt und durchzogen. Auf Schritt und Tritt, fast in jeder Lehrrede, begegnet einem irgendein Gleichnisbild. Im gesamten Palikanon findet man schätzungsweise eintausend Gleichnisse. Darüber hinaus ist der Erwachte mit seinen 32 Körpermerkmalen selber ein wandelndes Symbol. Sein Leib ist ein Bilderbuch der Tugenden, die er in früheren Leben erwarb. In der 12. Lehrrede der Mittleren Sammlung beschreibt der Buddha gleichnishaft die verschiedenen Fährten des Menschen. Ausgangspunkt ist die existentielle Grundsituation. Diese Lehrrede bekam den Titel "Das Haarsträuben". Während der Zeit dieser Lehrrede, die weit mehr umfasst als das folgende Gleichnis, hatte der ehrwürdige Nagasamalo hinter dem Erhabenen gestanden und ihm Kühlung zugefächelt. Da wandte er sich an den Erhabenen und sprach: "Wunderbar ist es, o Herr, außerordentlich; denn während ich da, o Herr, dieser Darlegung lauschte, haben sich mir die Haare gesträubt. Wie soll, o Herr, diese Rede heißen?" "Wohlan denn, Nagasamalo, so bewahre sie unter dem Namen der Rede des Haarsträubens." Und so beginnt die Lehrrede: "Fünf Fährten gibt es, Sariputto: und was für welche? Den Abweg, den tierischen Schoß, das Gespensterreich, die Menschen und die Götter... und die Wahnerlöschung, den zur Wahnerlöschung führenden Pfad und den zur Wahnerlöschung führenden Wandel ... auch diesen Weg kenne ich." Dann gibt der Buddha die gleichnishaft den Weg zu den fünf Daseinsebenen sowie zum Nibbana an: Ein Wanderer in der Wüste wird vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, ist erschöpft, zittert, dürstet und sucht Labsal, einen kühlen Trunk, ein erfrischendes Bad und erquickenden Schatten. Da hat dieser Wanderer eine solche Richtung eingeschlagen, dass er geradewegs auf eine glühende Kohlengrube - die sich nicht durch Rauch oder Flammen ankündigt - zuschreitet. Und unversehens fällt er voller Schrecken hinein, über mannestief. Nun steckt er darin, einzig von stechenden, schmerzlichen, brennenden Gefühlen erfüllt. Oder er hat eine solche Richtung eingeschlagen, dass er geradewegs auf einen übermannstiefe Jauchegrube zuschreitet, voller Gestank und Unrat, widerlich und abscheulich. Und er fällt unversehens in sie hinein, steckt nun hilflos im Kot, von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt. Oder er schreitet auf einen Fleck zu, wo im Wüstensande ein dürrer Baum wächst, mit verkümmertem Laube, spärlichem Grün, gesprenkeltem Schatten. Und er sitzt oder liegt dann im spärlichen Schatten dieses Baumes, der ihn nur wenig vor der Sonnenglut schützt, noch von manchem Wehgefühl erfüllt. Oder er schreitet auf einen Fleck zu, wo in gutem Erdreich ein Baum wächst, mit breitem Laubdach, lichtem Grün und tiefem Schatten. Da sitzt und liegt er nun, von manchem Wohlgefühl erfüllt. Froh, endlich der Hitze entronnen zu sein, genießt er den Schatten. Oder er wandert auf ein Haus zu. Es ist ein weiträumiges Landhaus, zierlich gebohnert und geglättet, mit gefälligem Geländer, vor den Fenstern durtige Matten. Und ein Lager ist dort, mit flockigen Wolldecken gepolstert, mit zartesten Antilopenfellen, beiderseits mit purpurnen Kissen. Da ruht er nun in angenehmer Kühle, auf weichem, prächtigen Lager, einzig von Wohlgefühlen erfüllt. Oder er wandert auf einen Lotosweiher zu mit klarem Wasserspiegel, hell, einladend, kühl, erquickend, leicht zugänglich und daneben tiefe, schattige Waldesgründe. Da stürzt sich der erschöpfte Wanderer freudig in das Wasser, badet zuerst, trinkt sodann, und nachdem er alle Qual und Pein der Erschöpfung beschwichtigt hat, sitzt oder liegt er im Waldhain, wunschlos glücklich, einzig von Wohlgefühl erfüllt. Erklärungen: Der Wanderer ist das Herz, Die Wüste ist das Wandelsein. Die Sonne gilt für die Wehgefühle. Der Durst ist der offenbare Trieb nach Wohl, Labsal, Löschung. Schatten sind abnehmende Wehgefühle. Bad und Trunk sind Durstlöschung. Das Wandern zu den ersten fünf Stätten ist das Unwissen. Die glühende Kohlengrube ist die Hölle, wo zusätzlich zu den Wehgefühlen des Sonnenbrandes noch Höllenfeuer brennt. Ohne Flammen und Rauch: man hat die Hölle nicht auf Rechnung; sie erscheint plötzlich - man wird wie von zwei Männern gepackt und hineingeworfen, und man kann erst heraus, wenn die Zeit abgelaufen ist. Man ist rundum und einzig von äußersten Wehgefühlen erfüllt. Nur schwer kann man, sagt der Erwachte, ein Gleichnis für die Leiden der Hölle geben: Ein Mann der dreimal täglich 100 Klingenhiebe bekäme, dessen Leiden wäre gegen das Höllenleiden so winzig wie ein Kieselstein gegenüber dem Himalaja. Die stinkige Jauchegrube ist die Tierheit mit Dumpfheit und Grobheit, wo es nichts Höheres als Fressen und Vermehrung gibt und dabei ständige Bedrohung von Feinden. Einer frisst und verdaut den anderen, jeder wird bald zu Kot und Jauche. Voller Wehrgefühle ist die Tierheit, nur von geringem Wohl erfüllt, das damit erkauft wird, dass man vor der brennenden Sonne im Jauchepfuhl untertaucht. Nicht leicht kann man die Leiden der Tierheit in Worte fassen. Eher kommt eine einäugige Schildkröte, die alle 100 Jahre irgendwo im Weltmeer auftaucht, in eine vom Wind hin und her getriebene Reuse, als dass ein Tier wieder Mensch wird. Der dürre Baum ist das Gespensterreich. Er wächst auf Sand, auf ganz schlechtem Boden. Man hat nur gerade so viel Gutes gewirkt, dass man nicht in die Hölle oder Tierheit gelangt: Die Grundlage, der Boden des Verdienstes ist sehr gering. Da wächst nur wenig Schatten heran, noch viel mit Wehe gemischt, das überwiegt. Der dichtbelaubte Baum ist das Menschentum. Um Mensch zu werden, muss man schon viel Gutes gewirkt haben, einen fruchtbaren Boden von Verdienst. Da wächst manches Wohl heran, tiefer, kühlender Schatten. Und da kann man seine Ernte aufzehren. Aber der Sonnenbrand ist noch ganz nah: Wenn die Sonne `wandert`, muss man weiterrücken, so dass man doch immer in Bewegung ist, um dem Wohl nachzurücken. Und es droht der Winter (das Alter), wo der Baum seine Blätter verliert. Das schöne Landhaus ist die Götterwelt, der Himmel, das Paradies, die eleusyschen Gefilde. Das Haus ist ´unnatürlich´, ist künstlich errichtet, ist ein aus guten Merkenerrichtetes Bollwerk gegen die Hitze und den Sandsturm. Dicke Maurn halten es ständig kühl, es gibt keine Angst vor Laubverlust. Und es ist ein weiches Lager statt des Erdbodens: Man kann sich auf den Lorbeeren des Verdienstes ausruhen, auf dem guten Gewissen. Es ist alles schön, tut dem Auge wohl, überall herrscht Harmonie, so dass man fasziniert ist. Man hat einzig Wohlgefühle. Aber die Kunst ist Ersatz dafür, dass man Bad und Trunk auch hier nicht bekommt. Der Lotosteich ist die Trieblosigkeit, die Wunschlosigkeit, die Erlösung, der Nirvana-Zustand. Hier endlich und hier allein gibt es Wasser. Hier kann der ausgedörrte Leib endlich in Wasser eintauchen (gebadet, im inneren Bade des Samadhi) und hier gibt es den Labetrunk, der den Durst löscht, klares wohlschmeckendes Süßwasser (Erlösung vom Durst). Danach gibt es keine Wünsche mehr, der Wanderer (das Herz) ist wunschlos glücklich und zwar für immer. Im dichten immergrünen Wald kann er sich ausruhen, im ewig grünenden ´Nun´. Denn: Nirvana ist das höchste Wohl. (Quelle: Hellmuth Hecker, Bilder der Existenz)
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