Ein Erwachter, der sich humorvoll äußert? Die Wahrheit vom Leiden und ... Humor? Ein Buddha, dessen letztes Wort ein Aufruf zum Streben in Ernsthaftigkeit war - wie passt das zum Humor?

 

Dass der Buddha die Lehre heiter darlegt, wird oft in den Texten betont, so auch, dass die Hörer durch ihr Anhören ermuntert, ermutigt, erregt und erheitert werden.

Der Buddha sagte aber: "Als kindisch gilt in der Ordenssatzung der Edlen das unpassende Lachen mit aufgerissenem Munde. Seid ihr über die Lehre erfreut, so genüge euch das Lächeln des lächelnden Blickes." (Anguttara Nikaya III)

Die Mönche hatten sich durch ihre Übungen in einer "Distanz von sich" geübt, was ja zu einer gewissen Souveränität, die über der Situation steht, führt. Dieser Humor ist kein leichtsinniges Gelächter, keine Clownerie der Lustigmacher, die eher tierisch sich ausdrückt in wieherdem Gelächter. Dieser Humor ist auch kein niederziehender Spott oder intellektueller Witz. Es ist auch kein "schwarzer Humor", der sich ausdrückt in hämischem Gelächter und fratzenhafter Schadenfreude.

Der Weise ist heiter, er weiss um etwas, das über das Menschentum hinausreicht. Aus dieser Perspektive, welche die üblichen Werte umwertet, kann der Humor über das bloß Relative lächeln, kann schmunzeln, weil er sich und die vergänglichen Dinge nicht mehr so wichtig nimmt. Und dieses Lächeln kommt aus der Seele, aus Herz und Gemüt.

Kurt Schmidt schreibt: "Der Buddha war auch in der Redekunst Meister. Seine Zeitgenossen sagten von ihm, seine Rede sei inhaltreich, klar und bestimmt, ihrem Gegenstand angemessen und gelegentlich mit Gleichnissen geschmückt; er spreche gut, seine Sprache sei fein und elegant, fließend, klangvoll und deutlich. Dass er, wo es am Platz war, auch mit Ironie und Humor redete, wird zwar nicht ausdrücklich bezeugt, aber wir dürfen es im voraus als sicher annehmen, denn das "Ridendo dicere verum" kann einem so großen Meister der Redekunst, wie der Buddha es war, nicht fehlen und es finden sich in den überlieferten Reden in der Tat mehrere Stellen, in denen Ironie und Humor deutlich zutage treten.

Wenn der Buddha seine Jünger ermahnte, sich nicht mit leerem Geschwätz abzugeben, pflegte er die Gesprächsgegenstände, die eines Edlen unwürdig sind, in einer immer wiederkehrenden, festen Reihenfolge aufzuzählen, und diese Reihenfolge begann so: "Könige, Gauner, Minister, Kriegsheere, Gefahren, Krieg, Speisen, Getränke usw." Diese Zusammenstellung "Könige, Gauner, Minister" kann auch vor 2500 Jahren nur ironisch gemeint und als Ironie verstanden worden sein. Im Zweifel kann man wohl nur darüber sein, ob hier die Albernheit der politischen Kannegießerei ironisiert werden sollte oder ob sich die Ironie gegen den Geltungsanspruch der oft moralisch minderwertigen Machthaber - Könige und Minister - richtete, die mit den illegitimen Machthabern, den Räubern und Dieben, sozusagen auf eine Stufe gestellt werden. Vielleicht war beides zugleich beabsichtigt; mit einem Schlage wird das politische Geschwätz und sein vornehmster Gegenstand lächerlich gemacht."

Bei einem anderen Thema ließ der Buddha einen Bhikkhu, der leicht in Zorn geriet, zu sich kommen, wies ihn zurecht und erzählte ihm die folgende Geschichte: -In Savatthi lebte einst eine Hausfrau namens Vedehika, die als sanft und friedfertig bekannt war. Sie hatte eine fleißige und tüchtige Magd namens Kali, die Schwarze. Diese hatte den Einfall, ihre Herrin einmal auf die Probe zu stellen, ob sie wirklich so sanft und friedfertig sei, wie man allgemein glaubte. Deshalb schlief sie bis in den hellen Tag hinein und vernachlässigte ihre Arbeit, um die Frau Vedhika zu reizen. So gelang es ihr wirklich, ihre Herrin zu erzürnen. Zuerst machte Vedihika ihr nur Vorwürfe wegen ihrer Nachlässigkeit. Die Magd wurde aber immer träger und widerspenstiger und brachte es dahin, dass Frau Vedehika schrie und schimpfte und ihr schließlich einen spitzen Türriegel an den Kopf warf und sie schwer verwundete. Nun lief die Magd mit blutendem Kopf zu den Nachbarinnen und rief: "Seht, das hat die angeblich so sanfte und friedfertige Frau Vedehika getan!". Dadurch kam die Frau in den schlechten Ruf, heftig und jähzornig zu sein.-

Einige Berichte lassen, wenn auch nicht Humor, so doch eine witzige Schlagfertigkeit erkennen (so Hans Wolfgang Schumann in seinem Buch Buddhismus):

Einst hatte sich ein Brahmane des Bharadvaja-Klans, verärgert darüber, dass ein prominentes Mitglied seiner Familie zum Dhamma des Buddha übergetreten war, allerlei Schmähungen für den Meister überlegt, darunter (laut Kommentar) "Dieb, Wirrkopf, Kamel und Esel". Der Meister hörte sich den Wortschwall an und fragte Bharadvaja dann, ob er gelegentlich Freunde zum Essen einlade. Auf die zustimmende Anwort fragte er weiter, was mit den Speisen geschehe, die die Gäste nicht annehmen. Der Brahmane erwiderte, diese seien dann für ihn selber. Gut, meinte Gotama darauf, so betrachte, Bharadvaja, die für uns zubereiteten Schmähungen als von uns nicht angenommen: Sie sind für dich! (Samyutta-Nikaya 7, 1, 2)