Ein Buddha entdeckt nicht nur den Pfad zum Nirvana wieder, sondern erteilt auch eine Sasana, eine Weisung, um anderen Wesen die Möglichkeit zu geben, dem Pfad dorthin zu folgen. Dafür gründet jeder Buddha einen Sangha, einen Orden.

 

Was die persönlichen Qualitäten angeht, so besaß der Buddha, der Begründer des Sasana, der Lehre oder der Weisung, eine Vielzahl von Fähigkeiten und Kenntnissen, über die seine Schüler in dieser Fülle nicht verfügten. Diese kognitiven Fähigkeiten umfassten nicht nur gewisse wundertätige Kräfte, sondern auch eine völlig klare Sicht vom Aufbau der Welt mit ihren vielen Existenzebenen sowie ein tief greifendes Verständnis der unterschiedlichen geistigen Veranlagungen fühlender Lebewesen. Ohne diese Fähigkeiten hätte der Buddha seine Hauptmission nicht erfüllen können, die darin bestand, die Lehre oder Weisung in der Welt zu etablieren und zahllose Wesen zur Befreiung von Leid zu führen.

Die Jüngerschaft unter Buddha beginnt mit einem Akt des Glaubens (Saddha). Glauben ist im Buddhismus nicht eine bedingungslose Zustimmung zu Vorschlägen, die jenseits aller möglichen Verifizierungen liegen, sondern die Bereitschaft, voller Vertrauen einen Anspruch zu akzeptieren, den Buddha im Hinblick auf sich selbst erhebt: dass er nämlich der Vollerwachte ist, dass er die tiefsten und entscheidensten Wahrheiten über die Natur der fühlenden Existenz erkannt hat und dass er den Pfad zu diesem höchsten Ziel lehren kann.

Wer Buddha als Lehrer akzeptiert und seinem Vorbild zu folgen versucht, gehört zu seinen Savakas, seinen Schülern oder Jüngern. Die Kategorie der Jünger durchbricht die herkömmliche Unterscheidung zwischen Mönchsorden und Laiengemeinschaft. Sie umfasst die traditionellen vier Versammlungen buddhhistischer Jünger: Mönche und Nonnen sowie Laien beiderlei Geschlechts. Jedoch wird innerhalb der breiten Anhängerschaft eine Trennlinie gezogen zwischen den gewöhnlichen und den Edlen Jüngern. Die Unterschiede beziehen sich nicht auf äußere Merkmale, sondern auf die innere, geistige Haltung. An den biografischen Profilen der Hauptjünger wird deutlich, dass sie alle den Stromeintritt (Sotapatti) erreicht hatten und damit den Pfad gefunden hatten, der unumkehrbar zum Nirvana führt.

In den Texten werden die vier Gruppierungen von Nachfolgern des Buddha immer in folgender Reihenfolge genannt: Mönche, Nonnen, Laienanhänger und Laienanhängerinnen. Diese Reihenfolge ist keine Diskreminierung der Frauen, sondern ist rein chronologisch. Zuerst belehrte der Buddha seine fünf Mitasketen und gründete so den Mönchsorden; erst fünf Jahre später kam es zur Gründung des Nonnenordens. Die allermeisten der ersten Jünger des Buddha waren bereits Asketen, bevor sie bei ihm Mönche wurden, und sie wurden dann auch schnell Heilige. Entsprechende Gruppen von Asketinnen, die der Buddha hätte derart einführen können, gab es aber damals nicht. So stand eben der Mönchsorden ganz natürlich an der Spitze und der Nonnenorden an zweiter Stelle, und er orientierte sich an den fünfjährigen Erfahrungen des Mönchsordens. Hinsichtlich der Laien war es so: Die ersten Laienanhänger des Buddha waren die Kaufleute Tapusso und Bhalliko, die bereits Zuflucht bei ihm nahmen, als er die Lehre überhaupt noch nicht verkündet hatte, und zwar nicht etwa, weil der Buddha als erste Laienanhänger Männer haben wollte, sondern weil sie als reisende Kaufleute - einem damals reinen Männerberuf - die ersten waren, die in seiner damaligen Abgeschiedenheit bei Uruvela ohne sein Zutun auf ihn stießen. Der erste, der durch Verkündung Laienanhänger der Lehre wurde, ist der Vater des Millionärs Yaso. Yaso war noch im Laienstande ein Geheilter geworden, während sein Vater den Stromeintritt erlangte. Er lud den Buddha zum Essen ein, und dabei belehrte der Buddha auch die Ehefrau und Sujata, die Mutter des Yaso, die so die ersten Laienanhängerinnen wurden.

 

Sariputta und Mahamoggallana

Aus seinem Gefolge Edler Jünger wählt jeder Buddha einige besondere Schüler als die besten Vertreter seines Spezialgebiets aus. Zunächst bestimmt der Buddha als Vorsteher des gesamten Sangha zwei Mönche oder Bhikkhus als Hauptjünger (Aggasavaka) aus. Sie teilen sich mit ihm in die Hauptverantwortung für die Unterweisung der Mönche und die Verwaltung des gesamten Sangha. Der eine dieser beiden glänzt durch Weisheit, der andere durch psychische Kräfte. In der Weisung des Buddha Gotamo erhielten Sariputta und Mahamoggallana diese Funktionen.

Die beiden hatten, als sie ungefähr vierzig Jahre alt waren, verabredet: Wer als erster einen Weg zur Todlosigkeit finden würde, sollte es sofort dem anderen mitteilen. Durch seine Begegnung mit Assaji, ging Sariputta die Wahrheit auf und er berichtete seinem Freund. Die beiden beschlossen, sofort zum Buddha zu gehen. Vorher gingen gingen sie zu ihrem damaligen Meister, um ihn auch zum Mitkommen zu bewegen. Der lehnte ab, aber alle seine anderen Schüler folgten Sariputta und Mahamoggallana zum Buddha. In kurzer Zeit erlangten beide unter der Führung des Buddha die volle Erwachung.

Der Buddha schärfte später den Mitgliedern des Mönchsordens ein, sie sollten sich die beiden Hauptjünger als Vorbilder nehmen. Was die Meisterschaft in Bezug auf die drei Aspekte des Pfades - Tugend, Konzentration und Weisheit - angeht, verköperten sie die Qualitäten, die die Mönche erst noch erwerben mussten.

Der Pali-Kanon ist voll von Berichten über das gemeinsame Werk der beiden Hauptjünger. Sie halfen dem Meister, die Gemeinschaft der Mönche zu betreuen, Beide arbeiteten unermüdlich an der Förderung und zum Nutzen des Ordens, und sie traten besonders für die Aufrechterhaltung der inneren Einheit, der Festigkeit und der Disziplin ein.

Wenn Sariputta Schüler annahm, so umsorgte er sie in materieller und spiritueller Hinsicht. Er pflegte sie, wenn sie krank waren, er gab ihnen ein Meditationsthema, und wenn er schließlich wusste, dass sie den Stromeintritt erlangt hatten, entließ er sie mit folgenden Gedanken: "Nun können sie aus eigener Kraft die höchsten Stufen der Heiligkeit erreichen." Der Überlieferung zufolge zeigte Sariputta, wenn er Ratschläge erteilte, unendliche Geduld. Er ermahnte und unterwies hundert- oder tausendmal, bis sein Schüler den Stromeintritt erlangt hatte. Unter den Mönchen zeichnete sich Sariputta vor allem dadurch aus, dass er anderen behilflich war. So sei er nicht in den frühen Morgenstunden wie die anderen Mönche auf Almosenrunde gegangen. Als alle weg waren, inspizierte er das gesamte Klostergelände. Wenn er eine Stelle fand, an der nicht gefegt worden war, so fegte er selbst. Wo man Abfall nicht entfernt hatte, warf er ihn weg. Wenn Möbel oder irdene Töpfe nicht richtig standen, rückt er sie zurecht. Er tat dies, damit buddhistische Wanderasketen, die vielleicht das Kloster besuchten, keine Unordnung sehen und damit nicht abschätzig über die Mönche reden konnten. Persönliche Qualitäten wie Dankbarkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Geduld trugen dem ehrwürdigen Sariputta viele Freundschaften ein, die ein Leben lang anhielten. Mit Mahamoggallana, dem Freund und Gefährten seiner Jugend, unterhielt er eine enge Beziehung, die erst der Tod im letzten Lebensjahr des Buddha beendete.

Die Lehrgespräche Sariputtas bilden ein umfassendes Lehrgebäude, das sich in Umfang und Vielseitigkeit der Darlegung neben dem Werk des Meisters sehen lassen kann. Sariputta verstand es auf einmalige Weise, die reiche Fülle des Dhamma zu gliedern und übersichtlich darzulegen. Der Hörer fühlte sich dadurch intellektuell angeregt und zu praktischer Anstrengung ermuntert.

Es war auch der ehrwürdige Sariputta, der als erster den Buddha aufforderte, den Kodex der Mönchsregeln niederzulegen. Als Vorsichtsmaßnahme, damit die Lehre des Buddha lange andauern möge. Der Buddha erwiderte allerdings: "Lass es gut sein, Sariputta. Der Tathagata weiss selbst, wann die Zeit dafür gekommen ist. Der Meister wird die Diziplinarregeln erst einführen, wenn im Sangha die ersten Anzeichen einer Neigung zum Schlechten zu erkennen sind.

Die beiden Hauptjünger lebten oft zusammen in derselben Zelle im Kloster, und es kam auch zu manchem Dialog in Anwesenheit anderer Mönche. Auch über Mahamogglana bestätigte der Buddha, er spreche in sehr kompetenter Weise über die Lehre. Predigten über den Dhamma gewinnen an Reichweite und Tiefe, wenn sie aus einer Erfahrung hervorgehen, die über den Bereich der Sinne hinausreicht. Mahamoggallana besaß in besonderem Maße paranormalen Fähigkeiten. Er nahm Dimensionen der Realiät wahr, von denen andere nicht einmal den Verdacht haben, dass sie überhaupt existieren. Er konnte Gedankenlesen, Hellhören, Hellsehen. Astralreisen und Telekinese gehören ebenso dazu. So beherrschte Mahaoggallana das, was uns als feste Materie erscheint. Einst verhielten sich die Mönche eines Klosters nachlässig und kümmerten sich zu sehr um materielle Belange. Der Buddha erfuhr davon und bat Mahamoggalana, sie durch eine übernatürliche Manifestation aus ihrer Selbstgefälligkeit zu holen und sie wieder zu ernsthafterem Streben anzuspornen. Daraufhin erschütterte dieser das Gebäude mit seiner großen Zehe. Das gesamte Kloster, das man das Haus von Migaras Mutter nannte, zitterte wie bei einem Erdbeben. Die Mönche waren davon sehr beeindruckt, so dass sie ihre weltlichen Interessen aufgaben und wieder dankbar die Belehrungen des Buddha annahmen.

 

Mahakassapa

Anders als Sariputta und Mahamoggalana, ein Asket strengster Observanz, war Mahakassapa. Kurz vor seinem Hinscheiden (Parinibbana) hatte sich der Buddha geweigert, einen persönlichen Nachfolger zu benennen. Stattdessen forderte er die Mönche auf, den Dhamma und den Vinaya - die Lehre und die Disziplin - als ihre Lehrmeister zu betrachten. Obwohl die Mönche in der Zeit direkt nach Buddhas Tod keinen Nachfolger wählten, füllte in zunehmendem Maße ein älterer Mönch dessen Position aus. Er besaß eine Aura natürlicher Stärke und Autorität. Die Pali-Kommentare beschreiben ihn als "den Jünger, der Buddhas Gegenstück" war. Das war der ehrwürdige Mahakassapa. Vier Faktoren trugen dazu bei, dass Mahakassapa im zunächst verwaisten Mönchsorden eine herausragende Stellung einnehmen konnte. Er besaß sieben von zweiunddreißig Merkmalen eines großen Mannes und wurde vom Meister wegen seiner Leistungen auf dem Gebiet der Meditation gelobt. Er war der einzige Mönch, mit dem der Buddha die Robe getauscht hatte, was eine besondere Ehre darstellte. Mahakassapa besaß in höchstem Grad die "zehn Eigenschaften, die Vertrauen einflößen". Er führte ein vorbildliches, diszipliniertes, nüchternes und der Meditation gewidmetes Leben. So kann es kaum überraschen, dass er die Leitung des Ersten Konzils des Sangha innehatte, das übrigens auf sein Betreiben hin einberufen worden war. Lehrvorträge hat Kassapa anscheinend nie oder fast nie gehalten.

 

Ananda

Unter all den großen Mönchen in Buddhas Gefolgschaft nimmt der ehrwürdige Ananda aus verschiedenen Gründen eine Sonderstellung ein. Der Überlieferung zufolge kam er ebenso wie der Buddha aus dem Tusita-Himmel auf die Erde und wurde am selben Tag wie dieser in derselben Kaste geboren.

Als Ananda siebenunddreißig Jahre alt war, trat er zusammen mit Anuruddha, Devadatta und vielen anderen Adeligen aus dem Geschlecht der Sakyer in den Mönchsorden des Buddha ein.

Jeder Buddha bestimmt einen Bhikkhu als persönlichen Diener (Upatthaka). Er kümmert sich um die Bedürfnisse des Meisters, ist Mittler zwischen ihm und der Öffentlichkeit und begleitet ihn auf seinen Predigtreisen. Als der Buddha und Ananda fünfundfünfzig Jahre alt waren, berief der Buddha eine Mönchsversammlung ein und erklärte: "In den zwanzig Jahren als Vater des Ordens habe ich viele verschiedene Diener gehabt, doch keiner unter ihnen hat dieses Amt wirklich einwandfrei ausgefüllt. Nun bin ich fünfundfünfzig Jahre alt, und es ist notwendig, dass ich einen treuen und zuverlässigen Diener an meiner Seite habe." Alle Edlen Jünger boten ihm ihre Dienste an, doch der Buddha wählte schließlich Ananda. So kam es, dass Ananda den Buddha ständig begleitete, die Sorge um Buddhas Person und die äußeren Bedürfnisse des täglichen Lebens lagen in seinen Händen. Er war ein überragender Fürsorger, der etwa als Sekretär, Verwalter und Organisator zu umschreiben wäre. Ananda trägt auch den Ehrentitel eines Hüters des Dhamma, weil er die Lehrreden Buddhas mit seinem überragenden Gedächntnis festzuhalten vermochte.

Das Lob Anandas wird im Pali-Kanon bei vielen Gelegenheiten gesungen, ebenso wie das von Sariputta, Mahamoggalana und Mahakassapa. Hier reicht leider der Raum nicht aus, dies auch nur annähernd wiederzugeben.

 

Diverse  andere große Schüler

Wenn Buddhas vornehmste Schüler genannt werden, steht an vierter Stelle Mahakaccana. Nach dem tiefsinnigen Mystiker Mahamoggallana und dem rauhen Asketen Kassapa finden wir in Mahakaccana wieder einen feinen Denker, ähnlich wie Sariputta, aber doch auch wieder anders. Ihm wird nachgerühmt, dass er an der Spitze derer stand, die imstande waren, den Sinn einer kurz gefassten Rede ausführlich darzulegen.

Annuruddha dagegen besaß wie Mahamoggalana und Mahakassapa auch die Gabe des Hellsehens und die Fähigkeit, in der Meditation Visionen zu erleben. Meist lebte Anuruddha in Wäldern, aber nicht allein, wie Mahakassapa, sondern in Gemeinschaft mit seinen ihm befreundeten Vettern Nandiya und Kimbila.

Rahula, war der Sohn des Buddha, erhielt dadurch aber keine Vorrangstellung. Doch wurde er vom Buddha schrittweise mit anschaulichen Gleichnissen in die Lehre eingeführt und erlangte Erwachung.

Punna galt als der vorzüglichste Lehrredner unter den Jüngern. Er war der erste, der als Missionar zu einem unzivilisierten Volk ging, um ihm die Buddha-Lehre zu predigen.

Upali war der größte Kenner der Ordensregeln. Revato galt als Meister der meditativen Versenkung. Angulimala wurde vom Mörder zum Heiligen. Ratthapala musste große Schwierigkeiten überwinden, um in den Orden einzutreten. Malunkyaputta  wurde erst im vorgerückten Alter strebsam und erreichte die Heiligkeit. Vachagotta stellte dem Buddha viele Fragen darüber, ob ein "Ich" bestehe oder nicht und war skeptisch. Er gelangte auch zur Heiligkeit. Subhuti versenkte sich während des Bettelganges immer in Wohlwollen und stand an der Spitze der Tugendreinen. Anathapindika war der größte Gönner des Buddha.

 

Gründung des Nonnenordens

Als der Buddha zur Regenzeit in Vesali weilte, erkrankte Suddhodana, der Vater des Buddha, schwer. Da kam der Buddha rechtzeitig herbei, um ihm in seiner letzten irdischen Stunde beistehen zu können. Als dann nach dem Tod ihres Gatten, des Königs, die Stiefmutter des Buddha, Königin Mahapajapati, ganz allein stand, hätte sie auch gern das religiöse Leben gewählt. Ebenso wie auch viele andere Frauen der Sakyer. Als deren Fürsprecherin ging daher Mahapajapati zum Buddha und bat ihn, er möge auch Frauen gestatten, vom Hause fort in die Hauslosigkeit zu ziehen. Auch Yasodhara, die Frau des früheren Bodhisatta, und Nanda, seine Halbschwester waren dabei. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte der Buddha dieses Ansinnen abgelehnt. Nun kamen sie noch einmal und Ananda erblickte sie. Er fragte mitleidig, was los sei. Als er hörte, dass der Buddha keinen Nonnenorden gründen wollte, machte er sich zu ihrem Fürsprecher und trug ihm ihre Bitte als seine vor. Der Erwachte lehnte erneut ab. Aber Ananda ließ nicht locker und fragte, ob es Frauen möglich sei, unter der vom Vollendeten verkündeten Lehre und Ordnung, den Heilsstand zu verwirkliche. Als der Buddha dies bejahte, da bat Ananda, er möge doch den Frauen diesen größten Gewinn nicht vorenthalten. Darauf erwiderte der Buddha, dass eine Frau ordiniert werden könne, wenn sie acht Dinge als gewichtige Verpflichtung auf sich zu nehmen bereit sei. Ananda ging daraufhin zu Mahapajapati, die sofort diese Regeln auf sich nahm und damit die erste buddhistische Nonne wurde: Die Annahme der Punkte wurde vom Buddha als Weihe angesehen.

Danach sprach der Buddha zu Ananda: Hätten die Frauen nicht die Erlaubnis erhalten, den Orden zu bilden, wo würden Reinheitswandel und gute Lehre noch tausend Jahre fortbestehen; so aber werde diese Zeit halbiert und die reine Nachfolge nur fünfhundert Jahre lang bestehen. Diese Prophezeiung erfüllte sich genau: Um die Zeitenwende spaltete sich der Orden und verlor dadurch seine ursprüngliche Kraft.

Dieser Vorfall rührt manche Fragen auf: Warum lehnte der Buddha erst ab und gab schließlich doch nach? Warum gründen alle Buddhas doch einen Nonnenorden? Warum genügten z.B. die acht zum Teil demütigend erscheinenden Regeln doch nicht, um nachteilige Einflüsse auszuschalten?

Kurz nach der Erwachung wollte Mara den Buddha bewegen, nicht zu lehren, sondern ins Nirvana einzugehen. Der Buddha erwiderte aber, das werde er nicht tun, ehe nicht Mönche, Nonnen, Anhänger und Anhängerinnen bei ihm Jünger geworden seien. Daran zeigt sich, dass der Buddha mit seinem durchdringenden Blick, der auch die Schleier der Zeit durchdrang, die Gründung des Nonnenordens voraussah und dazu bereit war.

Oft wird berichtet, dass der Buddha nach dreimaligem Wiederholen einer Bitte nachgab. Es ist wohl so, dass der Buddha erst dann, wenn die Wünsche der Menschen sehr drängten, ihnen so weit nach gab, wie es vertretbar war. Die ganze Ordensdiziplin ist voll von solchem Nachgeben unter gleichzeitiger Sicherung der Grenzen und der Disziplin. Der Buddha gab sozusagen mit der einen Hand etwas, das er mit der anderen Hand eingrenzte, errichtete also gleichzeitig einen Damm. Hätte er nicht die ehrlichen asketischen Wünsche der Sakyerinnen in geordnete Bahnen gelenkt und sie nicht eine strengen Disziplin unterstellt, so wäre es zu unerfreulichen Selbsthilfeaktionen und einem ungeregelten Pilgerleben gekommen, das mehr Schaden als Nutzen für die Frauen gehabt hätte. Ein wichtiger Grund für die erste Ablehnung in diesem Zusammhang dürfte auch sein: Mit der Zulassung des Nonnenordens war eben die Welt mit ihrer spürbarsten Spannung und Spaltung und den daraus hervorgehenden Fesselmöglichkeiten auch in den Orden getragen worden und öffnete allen Möglichkeiten die Tür, jedenfalls für die Schwächeren. Schon bald zeigte sich nämlich im Orden die Gefahr einer zweiten Häuslichkeit: Mönche ließen sich von Nonnen Kleider waschen und nähen, und so kam es zu allzu nahen Beziehungen ebenso wie in christlichen Doppelklöstern.

Was wichtigste ist jedoch der damalige soziologische Hintergrund, den der Buddha nicht gemacht hat, sondern den er vorfand und berücksichtigen musste. Im vorbuddhistischen Indien gab es keinen Nonnenorden. Die Gründung eines Nonnenordens war durchaus ein revolutionärer Akt. Aber die indische Frau war damals so wenig an Selbstständigkeit gwöhnt, dass der Buddha darauf Rücksicht nehmen musste und keine zu große Diskrepanuz zwischen Tradition und Orden aufreißen konnte.

Bald erreichten die Stiefmutter, die vormalige Ehefrau und die Schwester des Buddha den Heilsstand, ebenso wie manche andere der Sakyerinnen. Und das eindrucksvollste Bild des Nonnenordens wird durch die Verse der 73 heiliggewordenen Nonnen in den "Liedern der Nonnen" gegeben. Da liegt der dokumentarische Beweis dafür vor, dass Frauen ganz ebenso wie Männer das Nirvana erreichen können.

 

Diverse große Schülerinnen

Visakha ließ das berühmte Osthain-Kloster erbauen. Sie war die größte Gönnerin des Buddha. Mallika, die Gemahlin des Königs Pasenadi. Khema, die Weise, ähnlich wie Sariputta. Uppalavanna, die Schöne, überragte alle anderen durch ihre übernatürlichen Kräfte. Bhadda Kundalakesa, von der der Buddha sagte, dass sie am schnellsten beim Verständnis der Lehre war. Kisagotami, die den Verlust ihres einzigen Kindes zunächst nicht verwinden konnte und später den Stromeintritt erlangte. Patacara, die "Bewahrerin des Vinaya". Sie unterwies viele Nonnen. Dhammadinna stand an der Spitze der Lehrrednerinnen. Nanda, die Halbschwester des Buddha, stand an der Spitze der Vertiefung pflegenden.


Schlusswort

Die Namen und wichtigen äußeren Lebensumstände der einzelnen Jünger sind unzweifelhaft historisch. Es ist in diesem Rahmen aber nicht annähernd möglich, das Leben aller bedeutenden Schüler und Schülerinnen des Buddha ausführlich zu schildern.

Zum Ende hier noch einige Verse aus dem Sutta-Nipata darüber, wie die weisen Schüler und Schülerinnen sein sollen:

Die Wurzel dieser Vielheits-Welt in ihren Teilen,

Den Dünkel des 'Ich bin', ihn soll der Weise ganz vernichten.

Was an Begehrungen im Innern haust,

Sie zu beseitigen übe er sich achtsam.

Welch'  Tugend man auch mag erkennen

Sei´s bei sich selber, sei es außen auch,

Nicht soll man deshalb Stolz erzeugen,

Denn nicht wird Stillung dies genannt von Guten.

Man möge nicht darum sich besser dünken,

Nicht unterlegen und auch nicht als gleich.

Obwohl mit vielen Tugenden versehen,

Nicht möge man sein Selbst vergleichend unterscheiden.