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Der Buddha wies die Fürsten und Könige seiner Zeit besonders auf die heute völlig vergessene und belächelte Tatsache hin, dass von der Tugend oder Untugend des Herrschers das Geschick des ganzen Landes abhänge. |
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Der Buddha sagte: "Zu einer Zeit, in welcher die Könige tugendlos sind, zu jener Zeit sind auch die Beamten der Könige tugendlos, so sind auch die Priester und Bürger tugendlos. Sind aber die Priester und Bürger tugendlos, so auch die übrige Stadt- und Landbevölkerung. Ist die Stadt- und Landbevölkerung tugendlos, so ändern Sonne und Mond ihren Lauf, ändern sich Planeten und Sterne, ändern sich Tag und Nacht, ganze und halbe Monde, Jahreszeiten und Jahre, so ändern die Winde ihre Richtung. Ändern aber die Winde ihre Richtung, so ärgern sich die Götter. Ärgern sich die Götter, so gibt es keinen rechten Regen. Gibt es keinen rechten Regen, so wird der Reis nicht richtig reif. Essen die Menschen aber unreifen Reis, so leben sie nicht lange, sehen schlecht aus, werden oft krank." Ensprechend ist es umgekehrt. Dazu heisst ein Vers: "Wenn jener, der als erster gilt, ein tugendhaftes Leben führt, tut´s um so mehr der Rest des Volkes: Im Glücke lebt das ganze Land, wenn tugenhaft sein König ist." --- Es waren neben seinem Vater, dem König Suddhodana von Sakeya, noch weitere vier Könige, die im Lebenslauf des Buddha eine Rolle spielten: 1. Seniya Bimbisara, König von Magadha Bimbisara wurde im Alter von 15 Jahren von seinem Vater zum Thronfolger bestimmt. Es steht fest, dass er eine erfolgreiche Heirats- und Expansionspolitik trieb und damit die Grundlage für die Blütezeit des Reiches von Magadha schuf. Er hatte zahlreiche Frauen, was zu dieser Zeit so üblich war. Seine ranghöchste Ehefrau war Kosaladevi, eine Schwester des Königs Pasenadi, der das Nachbarreich Kosala regierte (siehe dort). Er gilt als Schöpfer des durchorganisierten Verwaltungssystems in seinem Reich, insbesondere der Finanzbehörden. Die Dörfer unterstanden einer örtlichen Selbstverwaltung, an deren Spitze jeweils ein Bürgermeister oder Dorfältester (gramani, abgeleitet von grama, Dorf) stand. Es gab auf Reichsebene eine allgemeine Versammlung aller dieser Bürgermeister, die für die örtliche Steuereintreibung zuständig waren. Die Steuern, ursprünglich mehr oder weniger freiwillige und unregelmäßige Abgaben, wurden von königlichen Beamten nach bestimmten Richtlinien festgesetzt und regelmäßig eingesammelt, wobei sich eine Steuer nach dem Umfang des Landbesitzes bemaß, eine andere auf die landwirtschaftliche Produktion erhoben wurde. Die Zentralverwaltung gliederte sich in drei Abteilungen (Inneres, Justiz und Militär). Im Kapitel "Ausbreitung" ist geschildert, wie der König den Buddha mit einer Schar von Mönchen empfängt und Zuflucht zu Buddha, Dhamma und Sangha nimmt. Er sprach damals zum Erhabenen: Früher, als junger Mann, habe er fünf Herzenswünsche gehabt, und die hätten sich nun sämtlich verwirklicht: "Ich wünschte mir, König zu werden und in meinem Reich von einem Erwachten besucht zu werden. Ferner, dass ich diesen Erwachten ehrenvoll aufnehmen möge, dass er mir die Lehre verkündet und das ich die Lehre dieses Erwachten verstehen möge." Bimbisara war damals ca. 31 Jahre alt und seit 16 Jahren Herrscher. Er wurde ein Stromeingetretener und kümmerte sich, nachdem er seinen eigenen Bambushain dem Mönchsorden geschenkt hatte, ausdauernd um die Mönche. Die Hauptfrau des Königs wurde später eine der Hauptjüngerinnen des Buddha, die Nonne Khema. König Bimbisara selbst hatte sie zum Besuch einer Lehrpredigt des Buddha veranlasst, indem er eine Gruppe von Sängerinnen hatte kommen lassen, die mit Liedern die Harmonie, den Frieden und die Schönheit des Bambushainklosters priesen. Und da Khema die Schönheiten der Natur liebte, entschloss sie sich zu einem Besuch. Khema verstand eine Darlegung über die Vergänglichkeit der Schönheit so vollständig, dass sie, noch angetan mit ihren königlichen Kleidern, die Arahatschaft zusammen mit analytischen Fähigkeiten erwarb. Daraufhin erhielt sie von König Bimbisara die Erlaubnis, dem Nonnenorden beitreten zu können. Dass es an seinem Hof und mit seinen Ehefrauen nicht nur ernst zuging, zeigt eine Episode, in welcher der König eine Fistel, ein Geschwür bekam und sein Obergewand mit Blut beschmutzt wurde. Nachdem die Frauen des Königs dies gesehen hatten, scherzten sie: "Hoheit hat jetzt seine Periode, seine Tage bekommen seine Hoheit, in nicht langer Zeit wird seine Hoheit gebären." Dadurch wurde der König verlegen. Nachdem er auf den Rat seines Freundes Abhaya hin den Arzt Jivaka bestellt hatte und geheilt worden war, bat er Jivaka, der Bezahlung abgelehnt hatte, auch den Mönchssangha mit dem Erwachten an der Spitze, ärztlich zu betreuen. So wurde Jivaka der Arzt des Sangha. Sein Sohn und Kronprinz Ajatasattu wurde schließlich von Devadatto angestiftet, seinen Vater, den König Bimbisara, zu beseitigen, um die Königsherrschaft zu erlangen. Ein Mordplan, in dem der König erdolcht werden sollte, schluf aber fehl. König Bimbisara dankte dann freiwillig ab, um den Weg für seinen Sohn frei zu machen. Kaum König geworden, ließ Ajatasattu seinen Vater in ein stickiges Gefängnis werfen, wo ihm jegliche Nahrung vorenthalten wurde. Einige Zeit lang versuchte seine Gattin und Mutter von Ajatasattu, Königin Kosaladevi, Nahrung ins Gefängnis zu schmuggeln. Das wurde aber bald unterbunden und so verhungerte er schließlich im Alter von 52 Jahren. 2. Ajatasattu, König von Magadha Die Regierungszeit von Ajatasattu währte 32 Jahre lang. Nach der Abdankung seines Vaters, den er dann verhungern ließ, half er Devadatto noch, indem er ihm Soldaten zur Verfügung stellte, die den Buddha ermorden sollten. Dieser Plan schlug fehl. Als nach dem Tod Bimbisaras auch dessen Witwe Kosaladevi - Ajatasattus Mutter - starb, forderte ihr Bruder, König Pasenadi von Kosala, von seinem Neffen Ajatasattu die Rückgabe der Mitgift. Da Ajatasattu dies verweigerte, kam es zum Krieg. Ajatasattu siegte in drei Schlachten, aber in der vierten wurde er in einen Hinterhalt gelockt, besiegt und gefangengenommen. Pasenadi ließ ihn jedoch frei, schloss mit ihm einen dauerhaften Frieden und gab ihm seine Tochter Vajira zur Frau. Ajatasattu baute neben dem bisherigen Regierungssitz Rajagaha die ca. 70 km nordwestlich gelegene Siedlung Pataligama aus und befestigte sie. Diese Stadt entwickelte sich zu einem Zentrum des Reichs und wurde später die neue Hauptstadt Pataliputta. Pataliputra ist das heutige Patna am Südufer des Ganges. Nach dem Tod von Devadatto wurde König Ajatasattu seines Lebens nicht mehr froh. Er ward Tag und Nacht von Gewissensbissen geplagt, denn er hatte seinen Vater töten lassen, hatte seine Mutter durch Gram darüber sterben lassen und hatte die Mordanschläge Devadattos gebilligt. Er siechte dahin, und böse Träume brachten ihm einen Vorgeschmack der Höllenqualen, die ihn erwarteten. Eine Abwechselung war dann der Krieg, den König Pasenadi gegen ihn begann. Dies war der einzige Krieg, der während der fünfundvierzig Wanderjahre des Buddha im Gangestal stattfand. Nach dem Versöhnungsfrieden konnten die Mönche, die durch den Krieg in ihrer Bewegungsfreiheit und Lehrtätigkeit eingeschränkt waren, wieder frei zwischen den beiden Großreichen wandern. Ajatasattu suchte bei den verschiedenen Sektenführern Rat, um seinen Seelenfrieden wiederzufinden. Er erhielt aber keine befriedigende Antwort. Da riet ihm sein Hofarzt Jivaka, den er von seinem Vater übernommen hatte, zum besten Arzt zu gehen, zum Buddha. Das tat er auch und erhielt eine ausführliche Antwort über den Heilsweg, der über Tugend zur Vertiefung und Weisheit führt. Am Ende dieser umfassenden Lehrrede (Digha Nikaya 2) fiel der Maharaja schließlich dem Buddha zu Füßen, nahm die dreifache Zuflucht und bekannte vor allen Anwesenden, Mönchen und Hofleuten, sein größtes Vergehen, nämlich dass er seinen Vater, den gerechten Landesvater, ums Leben gebracht habe. Der Buddha erwiderte: "In der Tat hat dich, Maharaja, ein Vergehen überkommen, wie einen Toren, wie einen Irren, wie einen Missratenen, der du den Vater, den gerechten, wahrhaftigen König um der Herrschaft willen des Lebens beraubt hast. Weil du aber nun dein Vergehen eingesehen und nach Gebühr bekannt hast, erkennen wir das von dir an. Denn ein Fortschritt ist es im Orden des Geheilten, ein Vergehen als Vergehen einzusehen, zu bekennen, in Zukunft an sich zu halten." Bald nachdem der König fort war, wandte sich der Erhabene an die Mönche: "Untergraben hat dieser König seine Wurzeln, sich selbst schwer geschädigt: Hätte er nicht den Vater, den gerechten, wahrhaftigen König des Lebens beraubt, dann wäre ihm auf diesem Sitz noch das abgeklärte, abgespülte Auge der Weisheit aufgegangen." Der Vatermord war die schwerste Tat. Nicht das Trachten nach der Krone, nicht die Billigung der Mordplände Devadattos gegen den Buddha, nicht die Rücksichtslosigkeit gegen seine Mutter, sondern allein der Vatermord hinderte ihn, den Stromeintritt noch in diesem Leben zu erringen. Der Vatermord gehört ebenso wie der Muttermord wegen des dazu gehörigen Grades an innerer Perversion zu den fünf Verbrechen, die unmittelbar zur Hölle führen und bei denen keine Reue und kein gutes Wirken die Höllenfahrt hindern können. Dadurch hatte der König sich so schwer geschädigt, dass er das Beste auf der Welt, die innere Sicherheit des Stromeintritts, nicht erlangen konnte. Er wurde überdies von seinem eigenen Sohn ermordet und dieser wiederum von seinem Sohn. 3. Pasenadi, König von Kosala Der König von Kosala besaß die Oberhoheit auch über die Sakiya-Republik, wo der Vater des Buddha gewählter Raja (König) war. Darüber hinaus auch noch über drei weitere Republiken (Koiya, Moriya und Malla). Pasenadi war Sohn des Königs Mahakosala, der ihm die Herrschaft übertrug, kurz nachdem er, Pasenadi, von seinen Studien aus Takkasila heimgekehrt war und sich als Gouverneur von Varanasi bewährt hatte. Die Universität von Takkasila, der Hauptstadt des Gandhara-Landes, war die beste Bildungsstätte Südasiens und bot einen umfangreichen Studienkatalog. In den Beschreibungen des Pali-Kanons wird der König sehr lebendig. Er hatte Freude an gutem Essen und hatte ein Vielzahl an Frauen. Er war aber ein feinsinniger Mensch und nicht so sehr tauglich für politische Aufgaben. Regierungsgeschäfte langweilten ihn eher. Hätte die Staatsräson es zugelassen, würde Pasenadi sich vermutlich seinen philosophisch-religiösen Interessen stärker gewidmet haben. Innenpolitische Rücksichtnahme zwang ihn jedoch, sich Grenzen zu setzen. Die meisten überlieferten Gespräche mit einem König überhaupt führte der Buddha mit Pasenadi von Kosalo. Da er die meisten Regenzeiten in dessen Hauptstadt Savatthi (dessen Stadtmauern noch heute erkennbar sind) verbrachte, ergab sich immer wieder die Gelegenheit dazu. Im Samyutta Nikaya gibt es ein eigenes Kapitel mit Gesprächen zwischen dem Buddha und König Pasenadi. Der König war ungefähr genauso alt wie der Buddha. Bei der ersten Begegnung, die auf dem Wege des Erwachten hin zum Kloster Jetavana stattfand, näherte sich Pasenadi mit einer skeptischen Einstellung und fragte, ob auch er, der Buddha, den Anspruch erhebe, die höchste Erleuchtung zu haben. Der Buddha antwortete, das sei so, woraufhin Pasenadi einwandt, alle anderen Sektenoberhäupter behaupteten dies auch. Ausserdem sei er, der Buddha, noch jung sowohl an Lebensjahren als auch nach Ordinationsalter. Der Buddha antwortete: "Vier Wesen (und Dinge), Maharaja, dürfen nicht geringgeschätzt werden, nur weil sie jung sind: Ein Adeliger, eine Schlange, ein Feuer und ein Bhikkhu." Königin Mallika, seine Hauptgemahlin, war ein treue Laienanhängerin des Buddha. Eines Nachts hatte der König hintereinander sechzehn aufregende Träume, in denen er unheimliche unergründliche Laute von vier Stimmen hörte. Die Brahmanen, um die Deutung des Traumes befragt, gaben den Bescheid, dass nur durch ein großes Opfer drohendem Unheil vorgebeugt werden könne. Der König gab den Auftrag, das Opfer vorzubereiten. Mit Eifer begannen die Brahmanen, weil sie dachten, es würden sicher auch Geschenke für sie abfallen. Damit das Opfer noch mehr Wirksamkeit entfalte, forderten sie auch den Tod von vier Menschen. Mallika bemerkte die Geschäftigkeit und fragte den König nach dem Grund. Als er ihr auch von dem Traum erzählt, verweist sie ihn an den Buddha. Dieser belehrt Pasenadi über die wahre Bedeutung des Traumes. Es war eine Warnung von vier Insassen der Hölle, die vor vielen Jahrtausenden als junge Kaufleute in Baranasi gelebt und verheiratete Frauen verführt hatten und seitdem in der Hölle schmachten. Nachdem der König diese Erklärungen gehört hatte, gab er der Bitte der mitleidigen Königin nach. Er schenkte den gefangenen Männern und Tieren die Freiheit und befahl, den Opferaltar zu zerstören. Von nun an war der König ein ergebener Laienanhänger des Buddha. Eines Tages stand der König mit der Königin an der Brüstung des Palastes und blickte über sein Land. Da fragte er sie, ob es jemanden in der Welt gebe, den sie mehr liebe als sich selbst. Er erwartete, dass sie ihn nennen würde, denn schließlich war er es gewesen, der ihr zu Rang und Reichtum verholfen hattte. Doch obwohl sie ihn liebte, blieb sie der Wahrheit treu und sagte, dass ihr niemand lieber sei als sie selbst. Dann jedoch wollte sie wissen, wie es um ihn stehe: Liebte er jemanden - vielleicht sogar sie - mehr als sich selbst? Der König gab zu, dass die Selbstliebe auch in seinem Fall die Oberhand behielt. Daraufhin ging er zum Buddha, berichtete ihm von dem Gespräch und fragte, was er als Weiser darüber denke. Der Buddha bestätigte seine und Mallikas Feststellung, nutzt diese dann zu einer Lektion in Mitleid und Gewaltlosigkeit: Wer mit seinem Geist aller Welten durchwandert hat, Findet nirgendwo jemanden, der ihm lieber wäre als er selbst. Weil auch andere sich selbst am meisten lieben, Deshalb sollte einer, der sich liebt, niemals anderen Schaden zufügen. (Sutta-Nipata 3/8) Die letzten Tage des König Pasenadi sind ausführlich geschildert. Als der Buddha zum letzten Mal im Gebiet der Sakyer weilte, erfuhr Pasenadi davon und ließ sich hinfahren. Als er ankam, erklärten ihm die Mönche, der Meister weile in dem abgeschlossenen Wohnhaus, er möge anklopfen. Pasenadi legte nun Krone und Schwert, die Symbole weltlicher Macht, ab, übergb sie seinem Kanzler und klopfte ans Tor. Der Erwachte öffnete ihm. Da fiel der König dem Erhabenen zu Füßen, umschlang dessen Füße und küsste sie. Der Buddha fragte, welchen Grund er habe, diesen Fleischleib derart zu ehren. Pasendi gab eine tiefe, persönliche Antwort. Er sagte, ihm sei beim Erwachten, bei der Lehre und der Geimeinschaft der Heilsgänger eine Ahnung der Wahrheit aufgegangen und schilderte in acht Punkten, wie die Lehre des Buddha sich bei den Mönchen so wunderbar ausgewirkt habe. Am Ende dieser achtfachen Huldigung (beschrieben in Majjhima Nikaya 89) erinnerte der König sich wieder seiner Geschäfte und trat aus dem Haus heraus. Jedoch der Kanzler hatte an ihm Verrat geübt und war mit Krone und Schwert davongeritten nach Savatthi. Die Abwesenheit während des Gesprächs mit dem Buddha war zu einem Komplott genutzt worden. Ihn einzuholen war unmöglich. Und so nahm das Schaffsal seinen Lauf. Der Kanzler krönte in Savatthi Pasenadis Sohn Vidudabho zum König und man redete dem Volk ein, der alte König habe abgedankt und sei den religiösen Weg gegangen. Zum Zeichen seiner Abdankung habe er dem Kanzler die Kron-Insignien übergeben. So war der König gestürzt, gestürzt wie viele vor und nach ihm. Die acht Weltgesetze, die der Buddha aufgewiesen, spielten sich hier ab: Gewinn wandelt sich in Verlust, Glück in Unglück, Ruhm in Schande, Lob in Tadel. Pasenadi ging nun nicht zum Buddha und frage um Rat, sondern begab sich sofort zu König Ajatasattu, seinem Schwiegersohn, um mit dessen Hilfe Thron und Reich wiederzuerobern. Er kam als Flüchtling in Rajagaham an, als Pilger auf der Straße, arm wie ein Mönch. Er fand das Stadttor am Abend schon verschlossen. Da ließ er sich, der große König, am Straßenrand im Staub nieder. Und dort ereilte ihn sein Geschick: Vor Erschöpfung, Entkräftung und Enttäuschung starb er dort im Staub. Sein Geschick hatte er sich selbst bereitet. Er hatte einst auf Grund von Verleumdung Unschuldige hinrichten lassen, die angeblich nach dem Thron trachteten. Er bereute es bitter und versuchte es wiedergutzumachen, indem er einen Verwandten der Ermordeten zum Kanzler machte. Das wurde ihm nun zum Verhängnis. Er hatte anderen das Leben geraubt - so verlor er es im Staub. Er hatte auf Betrüger und Lügner gehört - so wurde er vom Kanzler getäuscht. 4. Udena, König von Vamsa Raja Udena, Sohn des Parantapa, war Herrscher über das von den Flüssen Ganga und Yamuna eingerahmte kleine Vamsa-Königreich. Die Hauptstadt war Kosambi, Schauplatz von einigen Schwierigkeiten in der Geschichte des Buddha-Sangha. Dank der Großzügigkeit einiger Kaufleute, die den Buddha in Savatthi gesehen und gehört hatten, besaß der Orden in Kosambi feste Zufluchten und eine beträchtliche Gefolgschaft. Der König jedoch war ein weltlicher Geist. Fragen, die über das Hier und Heute hinausgingen, lagen ihm fern, eine Begegnung mit dem Erwachten vermied er. Er hatte zwei Hauptfrauen. Die eine war Vasuladatta, die er aus politischen Gründen und wegen ihrer großen Schönheit geheiratet hatte. Die zweite war Magandiya, die ebenfalls sehr schön und klug, aber kalt und egozentrisch war. Keine von beiden konnte dem König die herzliche Zuneigung entgegenbringen, nach der er sich so sehnte. Eines Tages lernte König Udena die reizende Adoptivtochter seines Finanzministers kennen und verliebte sich in sie. Sie wurde schließlich seine Gemahlin, Königin Samavati. Die Abneigung des Königs schmälerte aber nicht das Interesse der Damen des Vamsa-Hofes an der Lehre des Buddha. Unter den Dienerinnen von war eine namens Khujjutara, die vom Geld für Blumenschmuck im Palast immer etwas für sich abzweigt. Eines Tages war der Buddha zum Essen eingeladen und Khujuttara hörte mit größter Aufmerksamkeit zu, erlangte den Stromeintritt. Sie bereute danach ihre vorherige Unehrlichkeit und gestand den Diebstahl. Samavati vergab ihr großzügig und machte sie zu ihrer persönlichen Dienerin. Als König Udena seiner geliebten Samavati wieder einmal sagte, sie könne sich alles wünschen, bat sie darum, dass der Buddha jeden Tag zum Palast kommen möge, um hier zu essen und um seine Lehre darzulegen. Der lehnte ab und sandte dafür Ananda. Die Königin war durch Khujjuttaras Berichte schon gut vorbereitet und erlangte ebenfalls den Stromeintritt. Nun waren sich die Königin und ihre Dienerin durch ihr gemeinsames Verständnis des Dhamma gleich geworden. Allerdings, Magandiya, die zweite Hauptfrau des Königs hatte einen glühenden Hass gegen alles, was buddhistisch war. Ihr Vater hatte vor einigen Jahren in Unwissenheit der Askese dem Buddha Magandiya als Gemahlin angeboten. Magandiya nahm die Ablehnung als persönliche Beleidigung auf. Nun, da Samavati als Jüngerin Buddhas im Palast lebte, war das unerträglich für sie. Sie dachte sich eine Gemeinheit nach der anderen aus. Der König war von leidenschaftlicher Natur, durch Samavatis Einfluss konnte er allerdings seine Wur und seinen Hass bezähmen, doch verlor er auch das geschlechtliche Begehren für sie. Er war sich ihrer tiefen Spiritualität bewusst und betrachtete sie nun mehr als Schwester und Freundin denn als Geliebte. Durch den Hinweis, Samavati beobachte von ihren Gemächern aus den Buddha beim Almosengang, träufelte Magandiya jedoch König Udena Eifersucht ins Herz, so dass er Samavatis Fenster zumauern ließ. Durch eine raffinierte Brandstiftung im Frauentrakt des Palastes kam Königin Samavati und mit ihr ihre Dienerinnen ums Leben. Sie nimmt in der Geschichte der Anhänger und Anhängerinnen des Buddha ein bedeutende Stellung ein. Der Buddha erklärte Samavati zur hervorragendsten jener weiblichen Laienanhängerinnen, die die liebende Fürsorge (metta) besonders pflegten. Der König Udena war durch Samavatis Tod vor Kummer überwältigt und dachte darüber nach, wer diese grauenvolle Tat vollbracht haben könnte. Er kam zu dem Schluß, dass es Magandiya gewesen war. Diese bekannte sich schließlich selbst öffentlich stolz zu dieser Tat. Der König sagte daraufhin, sie und all ihre Verwandten hätten einen Wunsch frei. Als alle Verwandten versammelt waren, ließ er sie alle öffentlich verbrennen. Dann wurde die Erde umgepflügt, so dass alle Spuren der Asche beseitigt waren. Magandiya selbst ließ er, wie es sein Pflicht war, als Massenmörderin hinrichten. Da seine Wut jedoch keine Grenzen kannte, ließ er sie qualvoll umbringen. Mit zunehmendem Alter wurde Udena gegenüber der Buddhalehre zugewandter. Er nahm schließlich nach einem Gespräch mit dem berühmten Mönch Pindola selbst Zuflucht zu den drei Kostbarkeiten. Sein eigener Sohn Bodhiraja wurde ebenfalls ein Anhänger des Buddha. Es gibt noch einen Bericht, nach welchem er, der Buddha war schon tot, seinen Konkubinen die Erlaubnis gab, sich von dem greisen Ananda um Udaka-Park durch eine Lehrdarlegung erbauen zu lassen. Zum Abschluss hier die Verse, die der Buddha anlässlich der Tragödie von Kosambi zu seinen Mönchen sprach: Die Welt ist durch Täuschung in Fesseln gelegt Und sieht nur so aus, als sei sie etwas. Der Narr, der von seinem Erwerb in Fesseln gehalten wird, Lebt inmitten der Dunkelheit, Und es scheint, als sei sie ewig. Doch für einen, der sieht, ist nichts vorhanden. (Udana 7/10)
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