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Lebendiges umzubringen, hat er verworfen, Lebendiges umzubringen liegt ihm fern: ohne Stock, ohne Schwert, fühlsam, voll Teilnahme, hegt er zu allen lebenden Wesen Liebe und Mitleid. |
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Diese Absage an die Gewalt ist das Grundgesetz der buddhistischen Tugend, das keine Abstriche, Verwässerungen und Hintertüren kennt. Daher kennt der Buddha auch keinerlei Rechtfertigungen des Krieges, auch nicht des Präventivkrieges und nicht einmal des Verteidigungskrieges. Eine Lehre vom gerechten Krieg wird man beim Buddha vergeblich suchen. In den 45 Jahren, die der Buddha lehrend durch die indischen Lande zog, gab es nur vier Fälle von kriegerischen Auseinandersetzungen. In zwei Fällen konnte der Buddha den Kriegsausbruch verhindern. In einem Fall bewirkte er ein friedliches Ende und in dem letzten Fall tat er, was er konnte, um den Krieg zu verhindern, der dann aber doch stattfand. Diese vier Fälle sollen näher betrachtet werden, und zwar in chronologischer Reihenfolge: 1. Der Steit der Koliyer und Sakyer Die Sakyer, von denen der Buddha stammte und nach denen er Sakyamuni genannt wird, hatten zu Nachbarn die Koliyer. Die Grenze beider Völker am Rande des Himalya bildete ein Fluss, der beiden zur Bewässerung der Reisfelder diente. Wegen einer langen Trockenperiode wurde einmal das Wasser knapp. Die Bauern der beiden Völker wollten je das Wasser für sich allein haben und gönnten es den anderen nicht. Es kam zu Schimpfereien, zu kollektiven Beleidigungen und zu Schlägereien. Schließlich standen sich die Heere beider Völker waffenstarrend gegenüber, bereit zum Losschlagen beim geringsten Anlass. Als der Buddha davon erfuhr - es war im fünften Jahre nach der Erwachung - begab er sich gleich dorthin. Bei seinem Erscheinen waren die Heere beschämt, wussten sie doch, dass er jede Form von Gewalt ablehnte. Beide waren bereit, auf ihn zu hören. Er setzte sich nun auf einer Sandbank im Fluss mit den beiden Heerführern nieder und hielt eine Friedenskonferenz ab. Er begann mit der Frage, was das Wasser des Flusses wert sei. Die Führer erwiderten: Wenig. Und was sei ihr Ackerland wert? Sehr viel, sagtn die Fürsten. Und was seien Menschen wert? Unermesslich viel. Daraus zog der Erwachte die Schlussfolgerung: Wozu sollte man dann wegen des so wenig wertvollen Wassers die so wertvollen Menschen vernichten? Und er illustrierte diesen Grundgedanken durch einige Erzählungen und Beispiele. Er zeigte, dass es im Steit kein Ende gibt, dass der Hass sich nach dem Sieg der einen Seite beim Unterlegenen fortsetzt. Man dürfe auch nicht blindlings auf andere hören und sich aufhetzen lassen. Der Schwächere könne oft die Schwächen des Stärkeren besser sehen als dieser selbst. Wenn Einträchtige in Streit geraten, dann ist das immer schlimm. Schließlich waren die beiden Führer durch die friedvolle Ausstrahlung des Buddha und seine maßvollen Worte so beeindruckt, dass sie den Gedanken an einen Waffengang ganz aufgaben und das Wasser teilten. Außerdem wurden viele Mannen beim Buddha Mönche und zogen mit ihm ins Gangestal, so dass die Zahl der Esser geringer wurde und der Reis ausreichte. 2. Der Krieg zwischen Magadha und Kosalo Zwischen den beiden Reichen von Kosalo im Westen und Magadha im Osten lag der Landstrich von Benares (Kasi), der ein Zankapfel zwischen beiden war. Als Ajasattu seinen Vater aus Machtgier des Lebens beraubt hatte und so König von Magadha geworden war und Gewissensbisse ihn plagten, suchte er sich außen abzulenken, und ihm fiel nichts besseres ein, als Kasi mit seinen Truppen zu besetzen. König Pasenadi von Kosalo wollte ihn wieder vertreiben, es kam zum Kampf, aber Ajatasattu siegte. Als die Mönche sich wunderten, dass dem Vatermörder der Sieg über den tugendhaften König Pasenadi gelungen war und als sie den Buddha fragten, wie dies mit dem Gesetz von Saat und Ernte zu vereinbaren sei, erklärte er ihnen: Ajatasattu habe zwar schlechte Berater und Pasenadi gute, aber trotzdem sei letzterer als Folge früheren Wirkens heute besiegt worden. Doch Ajatasattu werde sich nicht lange seines Sieges freuen können, denn die Besiegten würden sobald wie möglich zum Gegenschlag ausholen. Da gäbe es kein Ende. Bald darauf rüstete König Pasenadi sein Heer, besiegte das Heer von König Ajatasattu und nahm ihn gefangen. Es wäre nun nicht ungewöhnlich gewesen, wenn Pasenadi den Angreifer, den Kriegsverbrecher Ajatasattu, mit dem Tode bestraft hätte. Das tat er aber nicht. Pasenadi überlegte vielmehr, wie zuerst Ajatasattu ihm ein Leid antat und er jetzt diesem ein Leid antat und wie das ohne Ende sei. Außerdem sei Ajatasattu sein Neffe, der Sohn seiner Schwester. Zwar habe er seinen Schwager ermordet, aber er bleibe eben doch ein Verwandter, darum wolle er ihm das Leben schenken und nicht Mord mit Mord vergelten. Damit er aber gewarnt sei und nicht so bald wieder angreifen könne, wollte er ihm die Möglichkeit dazu nehmen. So behielt er Elefanten, Rosse und Wagen als Kriegsbeute und ließ seinen Neffen frei. Dies berichteten die Mönche dem Erwachten. Der Erwachte sprach: "Da raubt ein König machbewusst dem Nachbarn, was er rauben mag: der Nachbarfürst, nun tiefgekränkt, beraubt den Räuber wiederrum. So ist der Brauch, vermeint der Tor, weil er die Folgen noch nicht spürt: doch da die Rache sicher folgt, kreist er in Nor und Leiden um. Es schafft sich Schläger, wer da schlägt, Bezwinger schafft sich, wer bezwingt, Beleidiger Beleidigung. Zürnende schafft der Zornige - endlos rollt´s durch des Wirkens Lauf: Wer da beraubt, raubt wiederum." Da besann sich König PAsenadi und schloß echten Frieden, gab Ajatasattu seine Tochter Vajiri zur Ehefrau und als Morgengabe stiftete er ihr Kasi. Von da an herrschte Frieden zwischen beiden Reichen. Das war etwa 38 Jahre nach dem Koliyer-Streit. In der Zwischenzeit wird von keinem einzigen Krieg in Mittelindien berichtet, das der Buddha kreuz und quer lehrend durchwanderte. So hatte er den ersten Krieg verhindert und den zweiten zu einem dauerhaften Frieden geführt. 3. Die Vajjiner und der Krieg Im letzten Lebensjahr des Buddha fasste König Ajatassatu einen neuen Kriegsplan. Er wollte den Staat des Vajjiner-Volkes zu Vesali, den östlichsten der kleinen Kriegerstaaten links des Ganges, erobern und seinem Reiche einverleiben. Er war sich aber nicht sicher, ob er das tun sollte. Durch die Gespräche mit dem Buddha hatte er so viel von der Lehre aufgenommen, dass er nicht ohne schlechtes Gewissen an Gewalt denken konnte. Er suchte es zwar mit Scheinargumenten zu bemänteln, er würde eben als Mehrer des Reiches Indien einigen usw., aber die Zweifel nagten weiter an ihm. Da schickte er seinen Feldherrn zum Buddha, um zu sondieren, was der Erwachte wohl sagen würde, wenn er von dem Kriegsplan hörte. Der General berichtete dem Buddha also, was sein Kriegsherr vorhatte, nämlich "Ich will diese Vajjiner, die so mächtigen, so gewaltigen, ausrotten, will diese Vajjiner vertilgen, will die Vajjiner vom Erdboden verschwinden lassen." Während der General dies vortrug, stand Anando hinter dem Erwachten und fächelte ihm Kühlung zu. Der Buddha antwortete nun nicht etwa dem Feldherrn, Krieg sei ein Verbrechen und Gewalt räche sich. Er machte keine moralischen Vorwürfe, sonder er wandte sich nur an Anando und stellte ihm nacheinander sieben Fragen über die Verhältnisse bei den Vajjinern, die Anando alle positiv beantwortete, worauf der Buddha sagte, solange diese Zustände bei den Vajjinern bestünden, sei ein Wachsen und kein Schwinden der Vajjiner zu erwarten. Es handelte sich um folgende sieben Zustände:
Nach dieser Darlegung an Anando wandte sich der Erwachte an den Feldherrn und berichtete ihm, dass er einstmals den Vajjinern diese sieben unvergessbaren Dinge eingeprägt habe. Solange sie daran festhielten, würden sie gedeihen. Der General stimmte zu: Damit seien die Vajjiner unbesiegbar, und sein König könne ihnen im Kampfe nichts anhaben, es sei denn durch Bruch von Versprechen oder Zwietracht. Er berichtete danach seinem König und dieser ließ den Feldzugsplan fallen. Dafür hatte er nun Furcht vor der moralischen Kraft der Vajjiner und ließ an der Grenze Befestigungen anlegen. Der Buddha aber verbrachte die letzte Regenzeit seines Lebens drei Monate lang bei den Vajjinern und machte so die letzte der sieben Eigenschaften deutlich. Später, nach dem Tode des Buddha, aber gelang es Ajatasattu mit List und Tücke das Land der Vajjiner sich einzuverleiben. Triumphierend könnten hier die "Realpolitiker" sagen, dass den Vajjinern also all ihre Tugenden nichts genützt hätten, wenn die harten Tatsachen politischer Machtverhältnisse ins Spiel kämen. Doch das wäre kurzsichtig, denn bald wurde Ajatasattu, der Vatermörder, von seinem eigenen Sohn ermordet, und die Vajjiner wurden wieder unabhängig. Das aber nicht nur für kurze Zeit, sondern jetzt bestand der Staat der Vajjiner (auch Licccavier genannt) tausend Jahre lang, gegründet auf die sieben Tugenden, die zum Wachsen und Blühen eines Gemeinwesens führen. Darauf gegründet bestand hier wirklich ein tausendjähriges Reich. 4. Das Ende der Sakyer. Ebenfalls gegen Ende der Lebenszeit des Buddha fand der vierte der Kriege aus den 45 Jahren seines Lehrerdaseins statt. Es war ein Krieg des Königs von Kosalo gegen die Sakyer. König Pasenadi von Kosalo, langjähriger Anhänger des Buddha, war von seinem ehrgeizigen Sohn gestürzt worden und auf der Flucht im Alter von achtzig Jahren den Strapazen erlegen. Dieser wollte sich nun an den Sakyern für eine Schmach rächen, die diese der Königsfamilie angetan hatten. Er rüstete ein Heer und zog gegen die Sakyer. Da begab sich der Buddha, um möglichst Blutvergießen zu verhüten, an die Grenze beider Staaten und setzte sich dort unter einen dürren Baum auf Sakyergebiet, während dicht dabei auf Kosalergebiet ein schattiger Baum stand. Als der Kosaler König an der Spitze seiner Truppen heranritt, stieg er ab, begrüßte den Buddha erfürchtig und fragte, warum er in der glühenden Hitze unter einem dürren Baum sitze. Dieser erwiderte: "Lass es gut sein, großer König, der Schatten der Verwandten kühlt." Damit gab der Buddha zu bedenken, dass die Sakyer seine Verwandten seien und dass dieselbe Königsfamilie von Kapilavatthu auch die Verwandschaft des Königs sei. Dieser begriff: Wenn er gegen seine Verwandtschaft füte, so wüte er auch gegen die des von ihm verehrten Buddha, der sein Großneffe war. Da bedachte der König: Wenn der Buddha mit seiner geistigen Macht seine Verwandten schütze, dann sei Krieg aussichtslos. So kehrte er um. Aber bald war die Erinnerung an diese Begegnung in ihm wieder verblasst, seine Rachegelüste gewannen die Oberhand, und er zog wieder ins Feld. Wieder trat ihm der Erwachte in der gleichen gewaltlosen Weise entgegen. Und wieder kehrte er um. Und noch ein drittes Mal geschah dasselbe. Der Bericht fährt dann fort:
So nahm das Unheil seinen Lauf. Die Sakyer wurden von der Übermacht besiegt. 77000 Menschen sollen, wie es heisst, dabei umgekommen sein. Da die meisten Sakyer aber keine Feinde getötet hatten und der Lehre des Buddha eingedenk geblieben waren, wurden die meisten von ihnen bei den Göttern der Dreiunddreißig im himmlischen Glück wiedergeboren. Ihr einstiges ungünstiges Wirken war abgetragen, und das gute Wirken dieses Lebens kam zur Auswirkung. Die Soldaten des Königs von Kosalo aber, die die wehrlosen Sakyer, die sich ergeben hatten, blutig niedermetzelten, gelangten auf den Abweg, in untere Welt, und zwar sehr schnell: Auf dem Rückweg von Kapilavatthu nach Savatthi wurde das ganze Heer in einem Trockenflussbett durch plötzliches Hochwasser ertränkt, mitsamt dem rachedurstigen, blutrünstigen König.
Quelle: Hellmuth Hecker (Wissen und Wandel 1988)
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