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Unter dem Namen "Die letzten Tage Gotamo Buddhos" hat Karl Eugen Neumann die längste aller Lehrreden, die 16. der Längeren Sammlung, gesondert herausgegeben. Dieser Pali-Text stellt ein wunderbares Gemälde dar, aber, "erschließt es sich nicht gleich dem Beschauer und schon gar nicht dem eiligen. Wie bei den Reden und jedem echten Kunstwerk ist Versenkung nötig, um es ganz zu erfasssen." |
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Ein halbes Jahrhundert lang durchzog der Buddha, von Ort zu Ort wandernd, ganz Mittel-Indien, und nur in der Regenzeit lebte er sesshaft und zurückgezogen. Im letzten Vierteljahrhundert hatte der Buddhismus im Gangestal Fuß gefasst und sich ausgebreitet. Allgemein hatten sich die Menschen daran gewöhnt, dass ein Erwachter unter ihnen lebte und durch die Lande zog, dass er alljährlich die Regenzeit in Savatthi verbrachte und dass er und die großen Jünger mit Rat und Belehrung jederzeit zugänglich waren. Der Buddha war der ungekrönte König des damaligen Indien, der geistige Mittelpunkt und das Zentrum aller, die nach dem Zweck der Existenz fragten. So hatte sich, unbewusst, die Denkgewohnheit herausgebildet, dass dies so bleiben würde. Es hatte sich bei den Menschen der Wahn der Dauer, dem wir ständig verfallen, auch der Vorstellung von der Person des Buddha bemächtigt. Diesen Wahn löst nun diese Lehrrede gründlich auf. Und das geschieht in einer unnachahmlichen Weise, die nur die Dinge für sich selber sprechen lässt und dabei gleichzeitig die Wehmut der noch Unerlösten über das Vergehen wie auch die Möglichkeit der Befreiung vom Vergänglichen anklingen lässt. Gerade bei dieser Lehrrede ist es so wichtig, den Text selber zu lesen und auf sich wirken zu lassen. Die folgenden Ausführungen können lediglich als Anhaltspunkt und kleine Hilfe dienen. Im letzten Lebensjahr des Buddha treten auch einige der prägnantesten Gestalten aus der Lebensgeschichte des Buddha von der Bühne dieses Lebens ab, und zwar fünf Personen: zwei Könige und drei Asketen. Sowohl König Pasenadi von Kosalo wie König Mahanamo, der Fürst der Sakyer, sterben um jene Zeit. Und im letzten Lebensjahr des Buddha erlöschen auch Sariputto und Mahamoggallano, die beiden Hauptjünger des Buddha. Die fünfte Person ist der Freie Bruder Nathaputto der sich der Sieger (Jino) nannte und dessen Anhänger – in der anglisierten Form als Jainas bezeichnet – heute noch in Indien eine eigene Religion bilden. So starb vor dem Buddha auch sein einflussreichster asketischer "Rivale". Die Erzählung setzt ein mit dem Aufenthalt des Buddha in der Umgebung von Rajagaha, der alten Hauptstadt des Magadhareiches. Die Ordensspaltung Devadattos liegt schon sieben Jahre zurück und in Magadha regiert jetzt König Ajatasattu. Ein Minister des Königs, Vassakaro, soll beim Buddha den Rat hinsichtlich der Frage einholen, ob ein geplanter Kriegszug gegen die Vajjiner Erfolg bringen könne. Während der Minister pflichtgetreu seinen Bericht über den Kriegsplan des Königs erstattet, steht Anando hinter dem Erwachten und fächert ihm Kühlung zu. Da wandte sich nun der Erhabene an ihn, stellt, ohne Vassakaro direkt anzusprechen, sieben Fragen über die Lebensverhältnisse der Vajjiner. Auf diese Fragen gibt Anando folgende Antworten: Die Vajjiner kämen häufig zu Ratsversammlungen zusammen; dabei berieten sie sich von Anfang an einträchtig; sie höben ihre alterprobten Gesetze nicht auf; sie folgtem dem Rat der Älteren und Erfahreneren; sie raubten keine Frauen; sie widerriefen keine Schenkungen und stifteten für religiöse Stätten. Und sie gewährleisteten allen ehrwürdigen Asketen und Pilgern Schutz und Schirm. Mit diesen sieben Eigenschaften, sagte nun der Buddha, sei ein Wachsen und Blühen der Vajjiner zu erwarten, kein Schwinden. Er, der Buddha, habe diese sieben Regeln schon vor längerer Zeit den Vajjinern gegeben. In dieser Überzeugung begibt sich der Minister zurück zum König und berichtet, dass es zwecklos sei, einen Krieg gegen die Vajjiner zu führen. Dann zieht der Buddha mit einer Schar von Bhikkus nach Norden und erreicht den Ganges bei dem Dorfe Patali, das gerade als neue Landeshauptstadt ausgebaut wird. Damals hatten zahlreiche, ja unzählige Gottheiten sich im Raum Patali versammelt und lenkten die Gedanken der Baumeister entsprechend ihren Wünschen. Nachdem der Erwachte mit dem himmlischen Auge das Gewimmel der schaffensfreudigen Götter gesehen hatte, rief er am Abend Anando herbei und teilte es ihm mit. Aus dem Dorf Patali wurde bald die Stadt Pataliputtam. Hier residierte später auch Kaiser Asoka. Nachdem am nächsten Tag noch eine Einladung des Ministers zum Essen gefolgt war, überquert der Buddha den Ganges und danach zum Dorf Koti, wo er seinen Mönchen den Leidenskreis des Samsara erklärt: Weil sie früher alle, einschließlich seiner selbst, die vier Heilswahrheiten nicht verstanden und durchdrungen hätten, deshalb seien sie den Leidenskreis des Samsaro gewandert. Als zweiter Aufenthaltsort nördlich des Ganges wählt er sodann Nadika. Dort war eine Seuche ausgebrochen und zahlreiche Laienanhänger daran gestorben. Auf die Frage nach deren Schicksal erklärt er, in welchen Bereichen einige der Verstorbenen wiedergeboren werden, verweist aber auch darauf, dass es nichts besonderes sei, wenn Menschenwesen zu sterben kommen. Wichtiger sei es ja, bei sich selbst festzustellen, ob man den Stromeintritt erreicht habe. Und dafür gebe er den Spiegel der Lehre, den Spiegel der Wahrheit, in dem man prüfen kann, ob man unbeirrbares Vertauen zum Buddha, zur Lehre, zur Gemeinschaft der Heilsgänger und zu den eigenen Tugenden erworben habe. Der dritte Ort war dann Vesali, wo der Buddha die letzte Regenzeit seines Lebens verbrachte. Der Erwachte verweilte in einem Mangohain, welcher der Tänzerin Ambapali gehörte. Der Erwachte belehrte auch sie und sie lud ihn am nächsten Tag zum Essen ein und schenkte ihm den kostbaren Mangohain. Das war die letzte Stiftung für den Orden, den der Buddha annahm. Später wurde die Tänzerin Nonne und gar bald auch eine Geheilte. Die Regenzeit verbrachte der Buddha nicht im Hain der Ambapali, sondern im Bilva-Weiler bei Vesali. Hier befiel den Buddha eine heftige, ja lebensgefährlich scheinende Krankheit. Er überwindet diese durch Anwendung von Kraft. Dass auch ein Buddha noch einmal krank werden kann, liegt an der Unvollkommenheit des Leibes und an früherem Wirken, aber dass er jederzeit, wann er will und wie er will, der Krankheit Herr werden kann, das liegt an der Vollkommenheit eines Erwachten. Anando meinte dann, der Buddha müsse noch etwas in Bezug auf die Gemeinde anordnen, aber der Buddha erklärt ihm, dass er seine Lehre rückhaltlos verkündet habe; er habe nur deshalb die Krankheit bezwungen, um nicht fern von seinen Jüngern unerwartet zu sterben. "Darum Anando, wenn ich nicht mehr bin, wahrt euch selber als Leuchte, selber als Zuflucht, ohne andere Zuflucht, die Lehre als Leuchte, die Lehre als Zuflucht, ohne andere Zuflucht." Am Ende der Regenzeit ruft der Buddha Anando zu einem Gespräch, welches zu den Geheimnissen des Pali-Kanon gehört. Der Buddha erklärt, er könne bis zum Ende des Weltzeitalters im Leibe bestehen. Aber Anando versteht den Wink nicht und bittet den Buddha nicht darum. So bestand kein Grund, sein Leben zu verlängern und nach einigen für Anando sehr schmerzlichen Hinweisen erklärt er, dass er binnen drei Monaten in das Parinirvana eingehen werde. Er legt später den versammelten Mönchen die Mahnung ans Herz, den Kern der Lehre (den Achtpfad, die vier Pfeiler der Selbsbeobachtung, die sieben Erweckungen u.a.) zu bewahren, auf dass dieses Asketentum lange bestehen möge. Im Frühjahr nimmt der Erwachte dann Abschied von Vesali und sagt zu Anando ausdrücklich, dass er nicht noch einmal dorthin zurückkehren werde. Er war nämlich von Vesali inzwischen noch einmal nach Savatthi gewandert und hatte dort Kunde vom Tod seiner beiden Hauptjünger erhalten. Dann zieht der Erwachte von Ort zu Ort und predigt den Mönchen den Weg der Sittlichkeit und Meditation zur Erkenntnis der Erlösung. Sodann wandert der Buddha ins Gebiet der Maller, dort weilte er in Pava, beim Goldschmied Cundo. Und dort wurde er nach dem Genuss eines Pilzgerichtes zum zweiten Mal schwerkrank. Er hatte den Goldschmied gebeten, die Pilzspeise nur ihm vorzusetzen, aber den Mönchen etwas anderes zu geben. Dann bat er, den Rest zu vergraben, da niemand ihn verdauen könne. Als es ihm wieder besser geht, zieht er weiter und nimmt in einem Flüsschen ein Bad. Danach mahnt er Anando, es müsse vorgebeugt werden, dass irgendjemand dem Schmied einen Vorwurd mache. Vielmehr sei es eine der besten Spenden der Welt gewesen. Die erste sei diejenige Almosengabe, nach welcher der Bodhisatta erwacht, die andere sei die, nach welcher ein Buddha erlischt. Cundo werde großes Verdienst durch seine gutgemeinte Spende haben. Dann, bei der Stadt Kusinara, lässt der Buddha zwischen zwei Salbäumen ein Lager bereiten, mit dem Haupte nach Norden. Er erklärt, unzählige Gottheiten aus allen Weltgegenden strömten herbei, um den so seltenen Anblick eines Vollendeten noch einmal wahrzunehmen. Nun erst wird Anando die ganze Tragweite des Verlustes klar, der ihn treffen soll, und er bricht in lautes Klagen aus. Der Buddha tröstet ihn wieder mit dem Hinweis auf die Vergänglichkeit und lobt Anandos Verdienste. Auf Anandos Fragen, wie er bestattet sein wolle, antwortet der Buddha, dies sei Aufgabe der Einwohner von Kusinara, die ihn mit königlichen Ehren einäschern würden. Dann ruft Ananda die Mallas von Kusinara an das Sterbelager des Buddha. Auch ein hochbetagter Einsiedler namens Subhaddo hat noch eine Frage an den Buddha. Der Buddha antwortet ausführlich und Subhaddo bittet um die Ordensweihe. So wurde er der letzte Mönchsschüler des Buddha. Zuvor war der durch eine kurze Darlegung als Anhänger gewonnene Mallerprinz Pukkuso der letzte Laienanhänger des Buddha geworden. Nach drei Anordnungen, die die Mönchsdiziplin betrafen, wandte sich der Buddha noch einmal an seine Nachfolger und fragte, ob irgendeiner der anwesenden Mönche - einzig Mönche waren noch anwesend - noch irgendwelche Zweifel über den Erwachten, über die Lehre, die nun ihr Meister sein sollte, über die Jüngerschaft und vor allem über persönliche Übungsschritte habe. Sie sollten gründlich überlegen, damit sie später keine Reue empfinden möchten, wenn der Mund des Meisters verstummt und die letzte Gelegenheit zum Befragen eines Vollkommen Erwachten vorbei sei. Die Schar blieb aber still. Sie blieb auch zum zweiten und zum dritten Mal bei dieser Frage still. Da sprach der Erwachte, wenn etwa einer sich aus Ehrfurcht vor dem Meister scheue, einen Zweifel auszusprechen, so möge er es ihm von Freund zu Freund sagen. So stellte der Erwachte, der Erhabene, der Vollendete in der Stunde seines Abscheidens noch einmal die größte menschliche Nähe zu seinen Mönchen her. Aber auch jetzt regte sich keine Frage. Und dann wandte sich der Meister noch einmal an alle fünfhundert Mönche zu seinem Abschiedswort: "Wohlan denn, ihr Mönche, lasst euch gesagt sein: Schwinden muss jede Erscheinung, ernsten Sinnes mögt ihr da kämpfen." Das war des Vollendeten letztes Wort. Und er durchschritt noch einmal alle Entrückungsstufen. Im Augenblick des letzten Verlöschens erhob sich, wie angekündigt, wieder ein Zittern und Erschauern der Erde und ein Donnerrollen über dieses wahrhaft "welterschütternde" Ereignis. Aber davon wurde kein Wesen verstört, nicht einmal eine Pflanze, es war ein sanfter und heiterer Abschied in dieser Vollmondnacht zu Füßen des Himalaya. Obwohl der Geringste der anwesenden Mönche Stromeingetretener war, bedeutete das noch nicht, dass diejenigen unter ihnen, die noch nicht Geheilte waren, alle frei von Trauer waren. Als sie laut klagten, da mahnte Anuruddho in gleicher Weise wie vorher der Buddha, indem er sie auf die Unabänderlichkeit des Gesetzes der Veränderlichkeit verwies und ihre Aufmerksamkeit auf die zahllosen anwesenden Gottheiten lenkte, unter denen es auch Trauernde und Gefasste gäbe. Als der Morgen dämmerte, bat Anuruddho Anando, den Mallern nunmehr die Botschaft vom Tode des Buddha zu bringen. Die Maller hielten nach orientalischer Sitte eine siebentägige Leichenfeier und schließlich wurde der Körper eingeäschert. Er verbrannte restlos, ohne jegliche Asche oder Ruß - lediglich einige Knochereste blieben übrig. Danach verbreitete sich die Kunde von der Erlöschung des Buddha wie ein Lauffeuer durch die indischen Lande.
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