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Die beiden Hauptjünger und die Begründung der Ordensverfassung. |
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So unschätzbar wichtig wie für den Orden die Gewinnung des Königs und die Gründung des Mutterklosters im Bambuspark war, noch wichtiger war doch ein anderer Gewinn, nämlich der der beiden Hauptjünger. Jeder Buddha hat, wie es heißt, immer zwei Hauptjünger, ein Paar Geheilte, die ihm am nächsten stehen an geistigem Format. Der eine von diesen steht an der Spitze der Gemüterlösten, Vertieften, Magiegewaltigen; der andere steht an der Spitze der Weisheitserlösten, der Meister der Belehrung. Beide waren als Brahmanensöhne in zwei Dörfern in der Nähe der Hauptstadt geboren. Diese beiden durch enge Freundschaft verbundenen Jünglinge - Sariputto (Sohn der Sari, seiner Mutter) und Moggaliputta (Moggali´s Sohn, später als Mahamoggallano bekannt) - hielten sich zu Rajagaha als Anhänger eines der damals so zahlreich wandernden Bettelmönche, des Sanjayo, auf. Sie hatten vereinbart, dass derjenige von ihnen, der auf der Pilgerschaft zuerst die Todlosigkeit finden würde, es sofort dem anderen melden sollte. Als der Geheilte Assaji, einer der fünf Brahmanen der Sakyer, die die ersten Jünger des Buddha geworden waren, in Rajagaham um Almosen ging, da sah Sariputto ihn. Er dachte bei sich: 'Wahrlich, dies ist einer der Mönche, die heilig sind in der Welt oder die den Weg zur Heiligkeit erreicht haben.' Er dachte aber, dass wohl jetzt nicht die rechte Zeit dazu sei, da jener gerade auf Almosengang war. Aber er folgte ihm und nachdem Assaji den Almosengang beendet und das Mahl eingenommen hatte, da trat er an ihn heran: "Um wessentwillen, Ehrwürdiger, bist du hinausgezogen, wer ist dein Meister, wessen Lehre bekennst du?" Assaji antwortete: "Da ist, Freund, der große Asket, der Sakyersohn, der aus einer Sakeyerfamilie hinausgezogen ist. Wegen dieses Meisters bin ich hinausgezogen, er ist mein Lehrer, seine Lehre bekenne ich." "Was aber ist die Lehre des Lehrers des Ehrwürdigen, was verkündet er?" Assaji sagte zunächst, dass er noch neu, noch nicht lange ordiniert sei und auch nicht fähig sei, die Lehre ausführlich zu erklären, aber er könne kurz den Sinn mitteilen. Und Assaji äußerte in einem kurzen "Stempel", in einem Merkvers, den Sinngehalt der Lehre: "Die Dinge, die bedingt entstanden, die Ursachen, die sie entbanden, und wie ihr Schwinden vor sich geht, das lehrt Buddha, der Asket." Sariputto erkannte darin Folgendes: Alle vergänglichen Dinge, alles, worunter wir leiden, eben alles, was wandelbar und geschoben und bedingt ist, all das hat der Vollendete völlig durchschaut, und er hat erkannt, dass all dieses, was an Flucht der Erscheinungen, an Leidensstrom kommt und geht, eine einzige Ursache hat, eine Wurzelbedingung. Und diese eine Wurzel kann man aufheben, womit das gesamte Leiden aufgehoben und hinfällig wird. Den Weg dazu, wie man das bewirkt und somit zum Leidlosen gelangt - zeigt der Vollendete, der Vollkommene, der große Asket. Sariputto gelangte in die Heilsanziehung, erreichte den Stromeintritt. Tief aufatmend sagte er: "Wahrlich, das ist das Gesetz (Dhamma), du bist durchgedrungen zum kummerlosen Pfad, der für Myriaden von Äonen unsichtbar war." Das erste, was Sariputto tat, war, dass er zu seinem Freund Moggallano ging, der gleich die große Veränderung an Sariputto bemerkte und Sariputto erzählte ihm die entscheidende Begenung seines Lebens. Als Moggallano diesen Bericht seines besten Freundes vernahm und jenen berühmten Vers hörte, da sprang bei ihm der Funke des Verstehens ebenfalls über, und er erlangte den Stromeintritt. Sie beschlossen, sich mit ihren Mitasketen zu besprechen und gemeinsam zum Buddha zu gehen. Als der Erhabene die beiden Freunde von weitem kommen sah, sprach der Buddha zu seinen Mönchen, dort komme das Paar seiner Hauptjünger. Sie baten ihn um Aufnahme, und sie wurden vom Erhabenen persönlich mit der Ordensweihe belehnt. Moggalano gelangte dann nach einer Woche zum Heilsstand und der ältere Sariputto nach zwei Wochen, beide mit Hilfe des Buddha. Moggallano wurde vom Buddha angespornt, als er einsam meditierte, und der Erwachte erklärte ihm den Lehrsatz: "Alle Dinge reichen nicht aus, sich dabei niederzulassen". Sariputto stand bei einer Lehrrede fächelnd hinter dem Buddha, und als er über den Satz nachdachte, dass man die fünf Erscheinungen (Khandas) durchschauen und dann loslassen könne, da erreichte er die Erlösung. Da die ersten Mönche alle Geheilte oder zumindest Stromeingetretene waren, so regelte sich das Ordensleben ganz von selbst. Sobald aber der König von Magadha und sein Gefolge Anhänger geworden waren und der König dem Orden seinen Schutz gewährte und ihm seine Hochachtung erwies, sobald also die Lehre damit auf dem Weg war, die vom König geförderte Religion des ganzen Landes zu werden, gewann sie immer größeren Zulauf. Neben den echten Suchern kamen dann auch schon labilere Charaktere und schwer Zähmbare in den Orden. Und als gar der Orden Mode wurde und der königliche Schirmherr ihm manche Privilegien gewährte, da kamen auch Menschen mit weniger religiösen Motiven herbei. Angesichts dieser Entwicklung, die damals im Bambushain von Rajagaham ihren Ausgang nahm, wurde es unumgänglich notwendig, das Ordensleben neu zu regeln. Während der Buddha in Dingen der Lehre nicht immer die Fragen der Suchenden abwartete, sondern häufig auch von sich aus existentielle Probleme besprach, war es bei Dingen der Ordenszucht umgekehrt. Hier gab der Buddha eine Regel immer erst aus gegebener Veranlassung, d.h. wenn ein regelungsbedürftiger praktischer Fall bereits eingetreten war. Der Buddha sagt: "Nicht eher gibt der Meister den Jüngern eine Regel, bis da nicht auf Trieben beruhende Dinge im Orden offenbar werden. Nicht eher werden da auf Trieben beruhende Dinge im Orden offenbar, bis der Orden nicht Größe erreicht hat. Nicht eher werden da auf Trieben beruhende Dinge im Orden offenbar, bis nicht der Orden hohe Gabe, hohen Ruhm, viel Wissen, Wachstum, erreicht hat. Sobald nun der Orden hohe Gabe, hohen Ruhm, viel Wissen, Wachstum erreicht hat, werden da auf Trieben beruhende Dinge im Orden offenbar. Dann gibt der Meister den Jüngern eine Regel an, um eben auf diese auf Trieben beruhenden Dinge zurückzuweisen. Später einmal fragte Upali den Erwachten, aus wieviel Gründen er die Ordensregel und Ordenssatzung vorgeschrieben habe. Er erwiderte: "Aus zehn Gründen: Um des Wohlergehens und Wohlbefindens der Gemeinde willen; zur Erziehung tugendloser Menschen und zur Förderung eines friedlichen Lebens der guten Mönche; zur Abwehr gegenwärtiger Triebe und zur Verhütung künftiger; zur Weckung von Zufriedenheit in Unzufriedenen und deren Stärkung; zur Stärkung und Fortdauer der guten Lehre und zum Schutze der Ordenszucht." Während des monatelangen Aufenthaltes des Buddha im Bambuspark ergaben sich nun zahlreiche regelungsbedürftige Fälle. Der Orden begann nun ein Eigenleben innerhalb der menschlichen Gemeinschaft, d.h. innerhalb des Staates zu führen, und so ergaben sich bald die Probleme geistlichen und weltlichen Lebens, die hierzulande zu dem Problemkreis des Verhältnisses von Kirche und Staat verfestigt sind. Auch wenn der Orden etwas ganz anderes ist als eine weltliche Institution und Macht wie die Kirche, so sind die Probleme doch in vieler Beziehung ähnlich. Sobald der Orden ein Faktor des sozialen Lebens geworden war, entstand auch die Notwendigkeit, das Leben innerhalb dieser Gemeinschaft im Verhältnis zu anderen Gemeinschaften (Staat und andersfährtige Pilger) zu regeln. Hier nun war der Buddha in vielfältiger Weise als Gesetzgeber, Organisator und Schlichter tätig. Diese Tätigkeit des Buddha wird meist völlig übersehen, obwohl sich gerade auch darin seine überragende Art zeigt. Angesichts der vielen konkreten Fälle, die damals im Bambuspark an den Erwachten herangetragen wurden, ergab sich allmählich die Verfassung oder das Grundgesetz des Ordens. Zunächst standen noch Fragen der Ordination im Vordergrund, während ein etwaiger Ordensausschluss noch gar nicht zur Diskussion stand. Ein Austritt aus dem Orden war von Anfang an frei, im Gegensatz zu christlichen Orden. Viele kamen zum Erhabenen, um in den Orden einzutreten. In der Bevölkerung führte dies zu einiger Unruhe und man sagte: "Der Asket Gotamo ist gekommen, Kinderlosigkeit zu bringen, Witwentum zu bringen, Untergang der Geschlechter zu bringen." Wo sollte das hinführten? Ein Vers wurde den Mönchen vielfach entgegengehalten: 'Gezogen kam der große Mönch zu der Magadha Bergstadt. Die Sanjaya bekehrt er alle, wen er wohl heute bekehren wird?" Besorgte Mönche berichteten dem Buddha davon, der jedoch erwiderte, dass der Lärm nicht lange dauern werde, höchstens sieben Tage und dass er sich von selber legen werden. Er gab den Mönchen einen Spruch, den sie entgegnen konnten: "Ein großer Mann, Vollendeter, er wird nur vom Gesetz geführt. Auf die, die vom Gesetz geführt, wer dürfte neidisch sein auf die?" Als die Mönche eine Woche lang diesen Vers entgegnet hatten, ohne weitere Entgegnung, ohne Feindschaft, still und friedlich, da setzte sich allenthalben die Kraft der Wahrheit durch. Die Menschen erkannten, dass die Mönche vom Gesetz geführt wurden, vom Richtigen, vom Heil, nach dem alle Wesen streben. Da schämte man sich und der Lärm hörte auf. Das Prinzip war: Die Mönche sollten bei Tadel Ruhe bewahren, sollten sich nicht einschüchtern und nicht aufregen lassen. Das war die erste Grundregel, die der Buddha hier gab. Es wurde geregelt, welche Art Behausung für die Mönche der Buddha erlaubte, gegen Schutz vor Kälte, Regen, Moskitos, Schlangen, der Latrinenbau usw. Ferner kam es im Laufe der Zeit auch vor, dass manche mit dem Gesetz in Konflikt geratene Personen im Orden Zuflucht suchten und von den Mönchen aufgenommen wurden. Das waren z.B. forgelaufene Sklaven, säumige Schuldner, ausgebrochene Häftlinge, steckbrieflich Gesuchte, drei Arten gezüchtigter Verbrecher. Damit der Orden nun nicht eine Zufluchtsstätte von gescheiterten Existenzen würde und mit der weltlichen Macht nicht in Konflikt gerate, verbot der Buddha eine Ordination dieser sieben Personengruppen. Später wurden noch weitere Personengruppen vom Ordinationsverbot betroffen, so Personen mit fünf ansteckenden Krankheiten, solche, welche die fünf schwersten Verbrechen begangen hatten (Mord an Eltern, Geheilten, Verletzung des Buddha, Verführer einer Nonne, Spalter des Ordens). Ebenfalls wurden die Tatbestände der Krankheiten auf bestimmte Körperfehler ausgedehnt. Früheres, unheilsames Wirken und gegenwärtiges unheilsames Wirken war hier der Hintergrund des Verbotes, und im Vordergrund stand zum Teil die Verhütung von Konflikten mit der staatlichen Ordnung. Es sollte durch solche Verbote, insbesondere bei Straftaten, das Eindringen von Menschen mit stärkster Triebhaftigkeit in den Orden verhindert werden. In den frühen Jahren des Ordens bestimmte der Erwachte auch, dass vier Arten von Vergehen so schwer waren, dass sich der Täter durch eine solche Tat von selber aus der Ordensgemeinschaft ausgeschlossen hat. Es sind in der Reihenfolge der Vekündung der Regel: Geschlechtsverkehr, Diebstahl, absichtliche Tötung eines Menschen, Anmaßung übernatürlicher Fähigkeiten. Diese Reihenfolge hat nichts mit einer Skala der Schwere der Taten zu tun - die ja immer nur von den inneren Bedingungen beim Täter abhängt -, sondern damit, dass der Erwachte eine Regel erst dann erließ, wenn ein konkreter Fall dies nötig machte. Die Regeln, die das Grundgerüst der Ordensverfassung darstellten, wurden im Laufe der weiteren Jahre noch vielfältig weiter ausgebaut, indem u.a. die Feiertage, die gegenseitige Befragung, die Strafen, die Formalakte, die Regenzeit und die Fragen des Besitzes geregelt wurden. Der Buddha hatte also wahrlich manche Plage auf sich zu nehmen, um die Ordensgemeinschaft zu gründen und zu befestigen, vielen zum Wohle, vielen zum Heile.
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