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"So lässt er eines Tages ein kleines Vermögen oder ein großes Vermögen hinter sich, verlässt einen kleinen Verwandtenkreis oder einen großen Verwandtenkreis und zieht mit geschorenem Haar und Bart aus dem Haus hinaus in die Hauslosigkeit. So hat er nun als Pilger das Tugendleben des Mönchs auf sich genommen." (Majjhima Nikaya 60) |
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Lebewesen umzubringen hat er verworfen; Lebewesen umzubringen widerstrebt ihm, gewaltfrei, waffenlos, fühlsam, voll Teilnahme hegt er Mitempfinden mit allem, was lebt. Nichtgegebenes zu nehmen hat er verworfen, Nichtgegebenes zu nehmen widerstrebt ihm: Gegebenes nur nimmt er, Gegebenes wartet er ab, nicht diebisch gesonnen, sanft geworden in sich selber. Die Unkeuschheit hat er verworfen; er lebt in Reinheit, abgeschieden, der weltübliche Umgang der Geschlechter widerstrebt ihm. Das Lügen hat er verworfen, Unwahrhaftigkeit widerstrebt ihm. Er pflegt die Wahrheit zu sagen, ist eins mit der Wahrheit; standhaft, vertrauenswürdig, hat nichts zu tun mit den üblichen weltlichen Ungeradheiten. Das Zwischentragen hat er verworfen, Zwischentrgen widerstrebt seinem Wesen; es ist nicht seine Art, was er hier gehört hat, den anderen zu erzählen, um sie mit diesen zu entzweien, und was er bei den anderen gehört hat, hier zu erzählen, um diese mit den andern zu entzweien; er ist ein Friedensstifter für Entzweite, ein Festiger für Verbundene, an Eintracht hat er seine Freude, Eintracht macht ihn glücklich, in der Eintracht findet er Befriedigung, eine Eintracht stiftende Sprache führt er. Harte Worte zu sprechen, das hat er verworfen, harte Worte auszusprechen, widerstrebt ihm. Worte, die nicht verletzen, dem Ohr wohltun, liebevoll sind, zu Herzen gehen, höflich sind, viele erfreuen, viele erheben - solche Worte spricht er. Leeres Geschwätz hat er verworfen, leeres Geschwätz widerstrebt ihm. Seine Art ist es, zur rechten Zeit zu sprechen, so wie es ist, der Lehre und Ordnung getreu. Seine Rede ist reich an Bewahrenswertem, kommt zur rechten Gelegenheit, wohlbegründet, klar abgegrenzt, umfassend, zum Ziel helfend. Sich mit Sämereien und Pflanzungen abzugeben, widerstrebt ihm. Zu einer Tageszeit nur nimmt er Nahrung zu sich, nachts ist er nüchtern. Essen zur Unzeit hat für ihn keinen Reiz. Zerstreuungen wie Tanz, Gesang, Spiel, Schaustellungen zu besuchen, die Verwendung von Duftstoffen, von Schmuck, besonderen Kleidern und Blumen widerstrebt ihm. Hohe prächtige Lagerstätten zu benutzen, Gold und Silber, rohes Getreide, rohes Fleisch, Frauen und Mädchen, Diener und Dienerinnen anzunehmen, widerstrebt ihm. Ziegen und Schafe, Hühner und Schweine, Elefanten, Rinder und Rosse, Haus und Feld anzunehmen, ... Botschaften, Sendungen und Aufträge zu übernehmen, Kauf und Verkauf widerstrebt ihm. Falsches Maß und Gewicht, die krummen Wege der Unaufrichtigkeit, Unehrlichkeit, der Täuschung und des Betruges widerstreben ihm. Zerstören, Töten, Gefangennehmen, Rauben, Plündern, überhaupt Gewalt widerstrebt ihm. Er ist zufrieden mit dem Gewand, das seinen Leib deckt, mit der Almosenspeise, die seinen Körper ernährt. Wohin er auch wandert, nur damit versehen, wandert er. Wie ein gefiederter Vogel, wohin er auch fliegt, nur mit der Last seiner Federn fliegt, so ist der Mönch zufrieden mit dem Gewand, das seinen Leib deckt, mit der Almosenspeise, die seinen Körper ernährt. Wohin er auch wandert, nur damit versehen wandert er. Wenn er zu dieser Entwicklung der tauglichen (tugendlichen) Begegnungsweise erwachsen ist, dann empfindet er das innere Wohl der Gewissensreinheit. Dies waren die Grundregeln für Bhikkhus und Bhikkunis des Buddha. Je länger aber der Orden bestand, je größer der Zulauf war, um so wichtiger wurden verschiedene Arten von Ordensregeln. Es galt, das Verhältnis des Sangha zu Staat und Gesellschaft zu regeln sowie das interne Ordensrecht, das einen Verhaltenskodex für die Mönche und Nonnen und die Strafen für Verstöße festlegte. Der Buddha mahnte: "Großen Nutzen, ihr Mönche, bringen euch die Brahmanen und Bürger, die euch zur Seite stehen mit dem, was ihr bedürft: Mönchsgewänder, Speise, Lager und Sitz, Arzneien, wenn ihr krank seid. Und wiederrum bringt ihr, ihr Mönche, den Brahmanen und Bürgern großen Nutzen, wenn ihr ihnen die Lehre predigt, die am Anfang herrlich ist, in der Mitte herrlich, am Ende herrlich ist, im Geist und nach den Buchstaben, ihnen den vollen und ganzen, reinen heiligen Wandel verkündet. So beruht, ihr Mönche, beider Teile heiliger Wandel gegenseitig aufeinander, dass man über die Flut hinüberkommen, allem Leiden ein Ende machen möge. So entstanden im Laufe der Zeit sieben in sich sehr bunte Kategorien von Regeln sowie eine achte Kategorie, die Methoden zur Streitschlichtung anführt. 1. Parajika-Regeln. Der Erwachte bestimmt, dass vier Arten von Vergehen so schwer waren, dass sich der Täter durch eine solche Tat von selber aus der Ordensgemeinschaft ausschloss. Für Mönche gibt es 4 Parajika-Verstöße (Geschlechtsverkehr, Diebstahl, absichtliche Tötung eines Menschen, Anmaßung des Besitzes höherer Geisteszustände). Für Nonnen gelten 4 zusätzliche Regeln. 2. Sanghadisesa. Vergehen, die der Schuldige vor der Ordnesversammlung zu bekennen und deren Ahnung, sobald erfolgt, von der Ordensversammlung bestätigt werden musss. 3. Aniyata, Verbrechen, Vergehen und Übertretungen, bei denen durch Prüfung der Einzelumstände zu entscheiden ist, ob sie unter eine andere Regelgruppe (1,2, oder 5) fallen. 4. Nissaggiya-Pacittiya-Regeln. Ihre Nichtbeachtung ist eine Verfehlung, die vor der Vollversammlung oder einem Einzelmönch zu bekennen und damit geahndet ist. 5. Pacittiya, Ordensregeln, die zu übertreten verunreinigt. 6. Patidesaniya-Regeln: Ihre Übertretung ist vor der Versammlung reuig zu bekennen. 7. Sekhiya. Etikette- und Anstandsregeln zu den Themen Bekleidung, Benehmen beim Almosengang, Essen, persönliche Hygiene usw. 8. Adhikarana-Regeln beziehen sich auf das Vorgehen bei der Beilegung von Rechtsstreitigkeiten. Ein großer Teil der Regeln betrifft also das Mönchsleben selbst, das Benehmen der Mönche und Nonnen in der Öffentlichkeit, den Umgang miteinander sowie mit Außenstehenden, die Besitzfragen, den Tagesablauf, die Beköstigung und das Verhältnis zu Eltern, Kindern und Verwandten. Ins Auge fällt die Breite der Etikette- und Anstandsregeln. Den Anstoß, die 227 Mönchs- und 311 Nonnen-Regeln als Beichtformel zu verwenden, gab indirekt der Magadha-König Bimbisara. Im Mahavagga II, dem Buch, in dem die Entstehung der Ordensregeln beschrieben sind, ist im Uposatha-Abschnitt geschildert, wie der König Bimbisara dem Buddha von seiner Beobachtung berichtet, dass andersgläubige Pilger und Asketen sich regelmäßig versammeln, um ihre Lehre zu rezitieren. Und die Menschen kamen dann heran, um diese Lehre zu hören. Die Mönche des Erhabenen aber kamen schweigend zusammen. Darüber wiederrum waren die Menschen verärgert und erregt. Der Erwachte erlaubte daraufhin, dass bei seinen Mönchen ebenfalls die Lehre vorgetragen wird. Als er aber allein und abgeschieden weilte, kam ihm im Geist folgender Gedanke: "Wie, wenn ich nun den Mönchen erlauben würde, die von mir erlassenen Regeln zu zitieren, um einen Patimokkha für sie zu erstellen. Dies soll für sie der Uposathaobservanzakt werden." So wurde eine Beichtfeier ( im Pali uposatha genannt) daraus, die von den Mitgliedern des buddhistischen Ordens halbmonatlich zur Zeit des Neu- und des Vollmondtages begangen wurde. Der vortragende Mönch erklärt vor der Gemeinde: "Heute ist Fasttag, der Fünfzehnte (des Halbmonats). Wenn es der Gemeinde zeitgemäß scheint, möge die Gemeinde die Feier des Fasttages halten, die Beichtformel vortragen lassen." Die Anwesenden antworteten : "Wir alle, so viel wir hier sind, hören und bedenken sie wohl." Der Vortragende fährt fort: "Wer ein Vergehen begangen hat, möge es bekennen. Wo kein Vergehen ist, möge man schweigen. Aus eurem Schweigen werde ich entnehmen, dass ihr Ehrwürdigen rein seid. Wie ein einzelner Mensch, den man fragt, antwortet, so ist es bei einer solchen Versammlung, wenn die Frage dreimal gestellt ist. Ein Mönch, der auf dreimalige Frage ein Vergehen, das er begangen hat und dessen er sich erinnert, nicht bekennt, ist einer wissentlichen Lüge schuldig. Wissentliche Lüge aber ist von dem Erhabenen für ein Hindernis geistlichen Lebens erklärt worden. Deshalb soll ein Mönch, der etwas begangen hat, sich dessen erinnert und danach trachtet, davon rein zu werden, sein Vergehen bekennen. Denn was er bekennt, dessen wird er erleichtert werden." Die Beichtformel (Patimokkha) ist unter den auf die Gemeindeordnung bezüglichen Texten der älteste und gehört überhaupt zu den allerältesten Denkmälern der buddhistischen Literatur. Dass alle wichtige Angelegenheiten des täglichen Lebens der Mönche und Nonnen geregelt wurden, heisst nicht, dass es starr und verkrampft zuging, wie das folgende kleine Beispiel zeigt: Damals nieste der Erhabene, während er inmitten einer großen Mönchsgemeinde die Lehre darlegte. Die Mönche sagten: "Gesundheit, Herr, Gesundheit, Wohlfinder!" Dadurch entstand lautes Stimmengewirr, dadurch wurde der Lehrvortrag unterbrochen. Da wandte sich der Erhabene an die Mönche: "Mönche, wenn zu einem, der niest 'Gesundheit' gesagt wird: kann der dadurch leben oder sterben?" - "Das nicht, Herr." - "Mönche, sagt zu einem, der niest, nicht 'Gesundheit.' Wer Gesundheit sagt, begeht eine Übertretung." Damals sagten aber die Leute, wenn sie niesten: "Gesundheit." Die Mönche hatten Bedenken und sagten nichts. Die Leute beanstandeten das...: "Wie können diese Asketen, die Sakyersöhne, wenn sie niesen und man sagt: 'Gesundheit, Herr', stumm bleiben!" Das wurde dem Erhabenen berichtet. - "Hausleute legen Wert auf glückbringende Anzeichen. Ich erlaube, Mönche, dass ihr Hausleuten, die 'Gesundheit' zu euch sagen, antwortet: 'Lebe lang!"
Quellen und weiterführende Literatur: Der Buddha und sein Orden (herausgegeben von Fritz Schäfer und Raimund Beyerlein), Das Mahavagga des Vinayapitaka (übersetzt aus dem Pali von Prof. Maitrimurti und Thomas Trätow), Der historische Buddha (Hans Wolfgang Schumann).
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