Wir können dank des Erhaltes des Pali-Kanons heute noch dem Buddha in seinen Begegnungen "nachspüren", auf Spurensuche gehen.

Viele, viele Begegnungen und Begebenheiten sind im Pali-Kanon überliefert.

Unter den Kapiteln "Spuren" habe ich einige Anekdoten ausgewählt, die mich beeindruckt haben oder die aus anderem Grunde von Interesse sind.

 

Der Erwachte weilte bei Savatthi, im Siegerwalde, im Garten Anathapindikos. Da begab sich der ehrw. Punno gegen Abend dorthin, wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder und bat um eine kurze Anleitung, da er wonaders hin wandern wolle.

Und der Erhabene gab dem ehrw. Punno eine Belehrung darüber, wie durch den Sehsinn, Hörsinn, Riechsinn, Geschmacksinn, Tastsinn und durch Denken ersehnte, geliebte, entzückende, angenehme, dem Begehren entsprechende, reizende Formen in das Bewußtsein treten. Wenn der Mönch diesen in Liebe und Freude und Neigung zugekehrt ist, geht ihm Lust auf. Ist Lust aufgegangen, geht Leid auf. Wenn der Mönch diesen in keiner Liebe, keiner Freude, keiner Neigung zugekehrt ist, geht Lust unter, ist Lust untergegangen, geht Leid unter. So gab der Buddha dem ehrw. Punna also eine individuelle kurze Meditationsanleitung mit auf den Weg, was nicht besonders oft vorkam.

Danach fragt der Buddha den ehrw. Punno: "In was für einem Lande wirst du weilen?"

"Da ich, o Herr, vom Erhabenen in der Kürze eine solche Anleitung erhalten habe, werde ich mich nach dem Lande der westlichen Suner, wie man sie nennt, begeben und dort weilen."

"Ein wildes Volk, Punno, sind die westlichen Suner, ein rohes Volk, Punno. Wenn dich die westlichen Suner schelten und beschimpfen werden, wie wird dir dann, Punno, zumute sein?"

"Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, dass sie mich nicht mit Fäusten schlagen. Also wird mir da, Erhabener, zumute sein, also wird mir da, Willkommener, zumute sein."

"Wenn dich aber, Punno, die westlichen Suner mit Fäusten schlagen usw.?"

"Wie gnädig, dass sie mich nicht mit Steinen werfen usw."

"Wenn sie dich aber mit Steinen werfen?"

"Wie gnädig, dass sie mich nicht mit Stöcken prügeln?"

"Wenn sie dich aber mit Stöcken prügeln?"

"Wie gnädig, dass sie mich nicht mit Säbeln treffen."

"Wenn sie dich aber mit Säbeln treffen werden?"

"Wie gnädig, dass sie mich nicht mit Säbelhieben umbringen."

"Wenn dich aber, Punno, die westlichen Suner mit Säbelhieben umbringen werden, wie wird dir wohl dann, Punno, zumute sein?"

"Dann, o Herr, wird mir also zumute sein: 'Es gibt Jünger des Erhabenen, die Leib und Leben verabscheuen und verachten, tödliche Waffe zu finden suchen: Die hab´ ich nun, diese tödliche Waffe, ohne sie zu suchen, gefunden'. Also wird mir da, Erhabener, zumute sein, also wird mir da, Willkommener, zumute sein."

"Recht so, recht so, Punno. Imstande sein wirst du, Punno, mit so milder Geduld begabt, im Lande der westlichen Suner zu weilen. Wie es dir nun, Punno, belieben mag."

Und der ehrw. Punno zog hinweg, dem Lande der westlichen Suner entgegen. Von Ort zu Ort wandernd, kam er allmählich hin und siedelte dort. Schon während der Regenzeit hatte er gegen fünfhundert Anhänger und fünfhundert Anhängerinnen zu gewinnen vermocht.

Und er hat sich das dreifache Wissen sich offenbar gemacht und war nach einiger Zeit vom Wahne erloschen.

(Majjhima Nikaya 145)

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In Kapilavatthu, der Heimatstadt des Buddha.

Zu jener Zeit war der Sakyer Sarakani eben gestorben, und der Erhabene hatte ihn als Stromeingetretenen bezeichnet, dem Verderben entronnen, zielbewußt der vollen Erwachung entgegeneilend. Da kamen viele Sakyer zusammen und erhitzten sich, ereiferten sich, kochten:

"Erstaunlich fürwahr, man kann doch nicht jetzt mal eben ein Stromeingetretener werden, wie der gerade verstorbene Sakyer Sarakani. Der war doch in der Übung schwach geworden, dem Trunk ergeben."

Da begab sich der Sakkerfürst Mahanamo zum Erhabenen, begrüßte ihn und setzte sich seitwärts nieder. Zur Seite sitzend, berichtete er ihm die ganze Angelegenheit.

"Wer da Mahanamo, lange Zeit als Anhänger Zuflucht zum Erwachten, zur Lehre und zur Jüngerschaft genommen hat, wie könnte der ins Verderben geraten?"

Und der Erwachte führt aus, wie die verschiedenen Möglichkeiten sind, wnn jemand die Lehre aufnimmt und die gewissermaßen geringste Möglichkeit ist: "Da hat, Mahanamo, irgendeine Person nicht einmal beim Erwachten, der Lehre, der Jüngerschaft Klarheit erworben, ist nicht lächelnd in Weisheit, nicht schnell in Weisheit und nicht hat sie Erlösung erworben. Aber folgende Eigenschaften sind in ihr: Die Fähigkeiten Vertrauen, Tatkraft, Achtsamkeit, Einigung, Weisheit. Und zum Vollendeten hat sie ein gewisses Maß von Vertrauen und ein gewisses Maß an Sympathie. Auch eine solche Person, Mahanamo, geht nicht mehr zur Hölle, geht nicht mehr in den Tierschoß, geht nicht mehr ins Gespensterreich, geht nicht mehr auf den Abweg, die schlechte Fährte, ins Verderben. Und wenn diese großen Salbäume unterscheiden könnten, was gut gesprochen und was schlecht gesprochen ist, dann würde ich auch von diesen großen Salbäumen verkünden, dass sie in den Strom Eingetretene seien. Um wieviel mehr Sarakani! Der Sakyer Sarakani, Mahanamo, hat zur Zeit des Todes die Übung auf sich genommen."

(Samyutta Nikaya V, 55, 24)

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Über das Jenseits kam es zu manchen Fragen. Da kam einst ein Schauspieldirektor zum Erwachten und fragte, ob es richtig sei, dass ein Komödiant, der die Leute zum Lachen bringe, nach dem Tod in den lachenden Himmel käme. Der Buddha erwiderte, er möge ihm diese Frage nicht stellen. Aber als jener dreimal fragte, erwiderte er: Ein solcher Komödiant, der selber voller Gier, Hass und Verblendung sei, der verführe, selber in den Rausch fliehend, auch noch andere dazu, diese drei Übel zu mehren. Und nach dem Tod gelange ein solcher wegen seiner falschen Ansichten in die Hölle des Auslachens. Da kamen dem Schauspieler die Tränen, weil ihn die anderen Lehrer, die er befragt hatte, so falsch belehrt hätten. Und er war so angerührt, dass er um Ordensaufnahme bat. So wurde er der Mönch Talaputo, dessen ergreifende Strophen in den "Liedern der Mönche" die Weise zeigen, wie künstlerische Fähigkeiten heilsam angewandt werden können. Und nicht lange danach war er ein Geheilter.

Eine ähnliche Begegnung hatte der Buddha mit einem Mann, der nach dem jenseitigen Geschick eines dem Kriegshandwerk hingegebenen Bürgers fragte und meinte, ein solcher ehrlicher Haudegen komme sicher in den Himmel. Der Buddha zeigte ihm, dass einer, der immer an das Töten und Vernichten anderer Menschen denke, sich den Weg zur Hölle bereite."

(Samyutta Nikaya 42, 2+3)

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Es wird oft geschildert, dass der Buddha in der mittleren Nachtwache meist von Gottheiten verschiedenster Grade besucht wurde und dass er sie belehrte. Ungezählte Male wird in den Lehrreden berichtet, dass eine Gottheit mit ihrem Glanz die ganze Gegend erhellte und vor dem Erwachten erschien. Götter melden ihm Ereignisse, sie huldigen ihm, sie stellen Fragen. Und verstorbene Mönche und Anhänger, die in Götterbereichen wiedererschienen, besuchen ihn.

So häufig wie Götter zu ihm kamen, so selten war es, dass der Buddha selbst Götterbereiche besuchte, zum Beispiel um seine Mutter dort zu belehren, oder Götter in der Lehre zu bestärken oder um Irrtümer der Himmelswesen zu widerlegen.

Ergreifend sind verschiedene Gespräche des Buddha mit Brahmas. Ein Brahma ist ein Wesen, das durch völlige Überwindung alles Begehrens nach Sinnendingen und durch unermessliches Strahlen in grenzenloser Liebe (metta) in einen genau diesem Wirken entsprechenden, für uns unvorstellbar hohen Daseinsbereich gelangt ist, wo es lange Zeiten hindurch in unermesslichem Glanz gesteht. In der Lehrrede "Das Priesternetz" schildert der Buddha, wie es einem solchen Wesen ergeht, das auf Grund seines Wirkens gerade an einer Weltzeitalterwende, nach dem Verglühen des alten Kosmos beim Beginn eines neuen Weltzeitalters, als zeitlich erstes von allen Wesen wieder erscheint, hoch erhaben in einem leeren Brahmahimmel, wie es dort lange Zeit an seinem inneren Glück Genüge hat, wie dann allmählich leise Unzufriedenheit, leises Sehnen nach anderen Wesen aufkommt, wie inzwischen weitere Wesen, deren Ernte in noch höheren geistigen Welten gerade erschöpft ist, in den leeren Brahmahimmel hinabsinken, so dass der Brahma wie auch jene später erschienenen Wesen besten Glaubens meinen, der Brahma sei das erste und höchste Wesen, der Schöpfer und Erhalter aller anderen Wesen, der das Erscheinen und Dahinschwinden der anderen auf ewig überdauere - alles Eigenschaften, welche die monotheistischen Religionen ihrem Schöpfergott beilegen. Und manchmal sinke eines jener später gekommenen Wesen aus dem Brahmahimmel auf die Erde hinab, werde Mensch, ziehe als Pilger in die Einsamkeit, erinnere sich dort seiner früheren Daseinsform und künde nun von dem vermeintlichen Vater und ewigem Schöpfer. Solche Brahmas versucht dann der Erwachte aus ihrem königlichen Traum von Ewigkeit und immerwährender Allmacht zu wecken, um ihnen das schreckliche Erwachen zu ersparen, wenn nach unsagbar langen Zeiten der Herrlichkeit die Frucht ihres Wirkens aufgezehrt ist.

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Die Tiere sehen wir, die Geister nicht; mit Tieren haben wir in unserem Leben oft zu tun, mit Geistern nicht. Wie ist also die Haltung des Buddha zu den Tieren? Am kürzesten ist sie umrissen mit dem Wortlaut der vom Erwachten gegebenen Tugendregel:

"Ohne Stock, ohne Schwert, fühlsam, voll Teilnahme hegt er zu allen lebenden Wesen Liebe und Mitleid."

Der westliche Mensch wird oft in der Auffassung erzogen, er sei von Gott als "Krone der Schöpfung" erschaffen worden, ihm sei die Welt gegeben, Tiere, Wald und Feld stünden zu seiner Verfügung, er könne damit schalten und walten, wie er es für richtig halte.

Der Erwachte aber sagt:

"Unausdenkbar ist diese Wandelwelt, ein Anfangspunkt ist nicht zu erspähen bei den wahnbefangenen Wesen, die durstverdungen umherwandeln, umherkreisen. Was ihr auch erblicken mögt an Übelgewordenem, Ubelgeratenem oder Wohlbefinden, Wohlgedeihn, als gewiss kann da gelten: ' Auch wir haben solches erfahren auf dieser langen Laufbahn...' Lange Zeit habt ihr, Mönche, als Rinder und Kälber, als Büffel und Büffeljunge, als Böcke und Ziegen, als Rehe und Hirsche, als Schweine und Ferkel, als Hühner, Tauben und Gänse bei eurer Abschlachtung wahrlich mehr Blut vergossen, als Wasser in den vier großen Weltmeeren enthalten ist."

Der Hinblick auf den Kreislauf der Wesen zeigt deutlich, dass es keine Herrscher im Bereich des Lebens gibt. Alle Wesen sind durch ihr Wirken das geworden, was sie sind, auch die höchsten Götter. Und es gibt kein Lebewesen - in dem uns zugänglichen Bereich vom winzigsten Käfer bis zum riesigen Elefanten oder in jenseitigen Bereichen vom niedrigsten Lebewesen bis zum höchsten - , das sich nicht auf dieser endlosen Wanderung befindet.

Einst wurde dem Erhabenen berichtet, dass ein Mönch an einem Schlangenbiss gestorben sei. Der Buddha erklärte, dies sei nur möglich gewesen, weil der Mönch nicht mit allliebendem Gemüt die Schlangen durchstrahlt habe, und er gab jene berühmten Verse, die noch heute allenthalben in Südasien als Schutz (Paritta) rezitiert werden:

"Die Wesen all, die atmen hier,

Geschöpfe aller, jeder Art:

Es möge ihnen wohlergehn,

nichts Böses widerfahren je."

(Anguttara Nikaya IV, 67)

Mit dieser Macht der Liebe zähmte der Buddha einen wilden Elefanten, den Devadatto in mörderischer Absicht gegen ihn losgelassen hatte: Er durchstrahlte das Tier so grenzenlos mit Liebe, dass es auf der Stelle still und sanft wurde.

Einmal schilderte der Erwachte, wie unbarmherzige Schlachter, Vogelsteller, Jäger und Tierbändiger zur Hölle gelangten und danach ein elendes, gespensterhaftes Dasein führten. Als Mahamoggallano ihm berichtete, dass er selber mit dem visionären Auge solches gesehen habe, erwiderte ihm der Buddha, dass auch er dergleichen sehen könne, aber es sei unnütz, anderen davon zu erzählen, denn sie würden es nicht glauben, und der Unglaube würde sie belasten.