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Wir können dank des Erhaltes der Lehre heute noch dem Buddha in seinen Begegnungen "nachspüren". Eine Begegnung, die nicht alltäglich war, nämlich die Begegnung mit einem Räuber und Mörder, folgt hier: |
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Angulimala gehört zu den bekanntesten Gestalten der buddhistischen Schriften. Die dramatische Geschichte seines Lebens vom Massenmörder zum friedlichen, erleuchteten Mönch ist in buddhistischen Ländern jedem Kind bekannt, und schwangere Frauen betrachten ihn als ihren Schutzheiligen. Seine segnenden Verse verhelfen ihnen zu einer erfolgreichen Geburt. Der Buddha warnte seine Jünger oft davor, andere nach ihrem Aussehen und äußerlichen Verhalten zu beurteilen. Nur ein Buddha könne aufgrund seiner einzigartigen Fähigkeiten mit unfehlbarer Genauigkeit in das Herz eines anderen Menschen hineinblicken. Im Falle Angulimalas erkannte der Buddha dessen verborgenes Potential, noch in diesem Leben zur Freiheit zu gelangen, nicht nur zur Befreiung von einer Wiedergeburt in niederen Bereichen, sondern zur Befreiung von allem Leiden im endlosen Kreislauf der Wiedergeburten. Als Kind wurde Angulimala Ahimsaka genannt, das heisst "Der Ungefährliche". Sein Vater (der von einem Brahmanen ein Horoskop erhalten hatte, in dem sein Sohn eine "Räuberkonstellation" hatte) sandte ihn als jungen Mann nach Takkasila, der damals berühmten Universität. Der bedeutendste Lehrer an dieser Hochschule akzeptierte ihn als Schüler. Er wurde zum Lieblingsschüler, was die Eifersucht anderer Studenten auf den Plan rief. Es wurde der Eindruck erweckt, er wolle seinen Lehrer verdrängen. Dieser Lehrer wollte ihn nun loswerden und gleichzeitig bestrafen. So gab er ihm nach dem Ende der Studienzeit den Auftrag, ihm, dem Meister, eine Ehrengabe für seine Mühen zu überreichen. Dies sollten tausend kleine Menschenfinger der rechten Hand sein. Der Lehrer erwartete wohl, Ahimsaka würde bei dem Versuch, das Geschenk zu beschaffen, entweder selbst getötet oder verhaftet werden. Angesichts der an ihn gestellten absurden Forderung rief Ahimsaka zunächst aus: "O Meister, wie kann ich das tun? Meine Familie hatte nie etwas mit Gewalt zu tun. Wir sind harmlose Leute." Er willigte aber am Ende ein. Die Quellen verraten uns nicht, was Ahimsaka schließlich dazu brachte, die makabre Forderung seines Lehrers ohne weiteren Protest zu akzeptieren. Ein Grund mag der Glaube gewesen sein, dass bedingungsloser Gehorsam gegenüber dem Guru die erste Pflicht des Schülers ist. Das war wohl ein Echo jener höheren Prinzipien, denen er in seinem ersten Lebensabschnitt gehorchte. Doch der stärkere Faktor hinter dieser Entscheidung dürfte eine angeborene (karmische) Veranlagung zu Gewalt gewesen sein. Bei der Einwilligung in die Forderung des Lehrers dachte Ahimsaka nicht an den nahe liegenden Ausweg, der darin bestand, die Finger Leichen zu entnehmen, die überall herumlagen. Stattdessen beschaffte er sich Waffen, darunter ien großes Schwert, und ging in den wilden Jalini-Wald in seinem Heimatstaat Kosala. Dort lebte er auf einer hohen Klippe, von der aus er die darunter liegende Straße beobachten konnte. Wenn er Reisende sah, stürzte er sich auf sie, brachte sie um und entnahm seinen Opfern einen Finger. Zunächst hängte er die Finger in einen Baum, wo die Vögel das Fleisch fraßen, so dass die Knochen herunterfielen. Als er sah, dass die Knochen auf dem Boden verrotteten, fädelte er sie auf und trug sie wie eine Girlande. Von daher bekam er seinen Spitznamen Angulimala, "Fingergirlande". Die Menschen scheuten bald den Wald und der König Pasenadi erfuhr von der Angelegenheit. Er erkannte, dass er etwas unternehmen musste und gab den Auftrag zur Gefangennahme. Offensichtlich waren damals Angulimalas eigentlicher Name und seine Herkunft unbekannt. Doch seine Mutter spürte intuitiv, dass es niemand anderer sein konnte als ihr Sohn Ahimsaka, der nie von Takkasila zurückgekehrt war. Als sie die öffentliche Bekanntmachung hörte, war sie sicher, dass er auf Abwege geraten war, die sein Horoskop verhergesagt hatte. Sie machte sich schließlich allein auf in das bewaldete Gebiet, in dem sich Angulimala angeblich versteckte. Sie wollte ihn warnen und retten und ihn beschwören, seinen üblen Lebenswandel aufzugeben. Zu jenem Zeitpunkt hatte Angulimala bereits 999 Finger gesammelt, es fehlte also nur noch einer, um die von seinem Meister genannte Zahl zu erreichen. Um diese Aufgabe zu einem Ende zu bringen, hätte er wohl auch seine Mutter getötet, die sich auf ihrem Weg immer mehr näherte. Doch Muttermord ist eines jener fünf abscheulichen Verbrechen, die unweigerlich zu einer unmittelbaren Wiedergeburt in der Hölle führen. Ohne es zu wissen, stand Angulimala somit am Abgrund zur Hölle. Gerade in dieser Situation - der Buddha befand sich im zwanzigsten Jahr seiner Lehrtätigkeit - wurde der Meister auf Angulimala aufmerksam, als er die Welt mit großem Mitleid überblickte. Da sich der Buddha an frühere Existenzen erinnern konnte, war ihm diese Person nicht unbekannt und er sah die große Gefahr, in der Angulimala schwebte. Der Buddha zögerte nicht, dreißig Meilen zu Fuß zurückzulegen, um ihn vor einer nicht wieder gutzumachenden spirituellen Katastrophe zu bewahren. Hirten und Bauern, die den Buddha die Straße entlanggehen sahen, warnten ihn vor dem Mörder. Doch der Erhabene ging still weiter. Von seinem Ausguck aus sah Angulimala zuerst seine Mutter näher kommen. Er entschloss sich, sie zu töten, doch in diesem Augenblick erschien der Buddha auf dem Weg zwischen Angulimala und seiner Mutter. Angulimala sah und entschloss sich nun, doch eher diesen Asketen als seine Mutter zu töten und seinen Finger abzuschneiden. Angulimala nahm sein Schwert und Schild und folgte dem Erhabenen auf dem Fuß. Dieser aber bewirkte kraft seiner übermenschlichen Fähigkeiten, dass der Bandit Angulimala ihn nicht erreichen konnte, obwohl er so schnell lief, wie er konnte. Angulimala wunderte sich und rief: "Halt an, Asket! Halt an, Asket!" "Ich halte an, Angulimala. Halte auch du inne." Darauf hin wandte sich Angulimala an den Erhabenen mit folgenden Versen: "Während du gehst, Asket, sagst du mir, du hältst inne; Doch nun, da ich stehen geblieben bin, sagst du mir, ich hätt nicht innegehalten. Ich frage dich nun, Asket, was das bedeutet: Wie kommt es, dass du innegehalten hast und ich nicht?" Und der Erhabene antwortete: "Angulimala, ich habe für alle Zeiten innegehalten, Ich enthalte mich der Gewalt gegenüber Lebewesen. Du aber kennst keine Gnade gegenüber atmenden Wesen: So kommt es, dass ich innegehalten habe und du nicht." Als Angulimala diese Worte hörte, vollzog sich in seinem Herzen eine zweite, größere Verwandlung. Der lange unterdrückte Strom seiner edleren, reineren Neigungen schlug eine Bresche in den Wall aus verhärteter Grausamkeit, an die er sich in den letzten Jahren seines Lebens gewöhnt hatte. Er erkannte, dass der Asket, der vor ihm stand, kein gewöhnlicher Bhikkhu, sondern der Erhabene selbst war. Intuitiv merkte er, dass der Meister nur seinetwegen in den Wald gekommen war, um ihn vor dem Abrund zu bewahren, in den er zu fallen drohte. Zutiefst erschüttert warf er seine Waffen weg und versprach, ein völlig neues Leben zu beginnen. Er warf sich dem Erhabenen zu Füßen und bat an Ort und Stelle um die Ordination. Der Buddha sprach: "Komm, o Mönch." Und so wurde dieser ein Bhikkhu. Nicht lange danach machte sich der Buddha mit einer großen Zahl von Mönchen und mit Angulimala als seinem Diener auf den Weg nach Savatthi, Angulimalas Heimat. Die Leute wussten noch nichts von der großen Verwandlung Angulimalas und beklagten sich noch darüber, dass der Räuber nicht gefangen war. So machte sich der König selbst mit seinen besten Soldaten auf den Weg zu Angulimalas Versteck. Dabei kam er am Jetavana-Kloster vorbei, wo der Buddha gerade eben eingetroffen war. Der König machte Halt, um dem Meister seine Ehrerbietung zu erweisen. Der König erklärte dem Buddha den Grund für die Anwesenheit der vielen Soldaten und der Erhabene sagte: "Großer König, nehmen wir an, du siehst jenen Angulimala mit geschorenem Haar und Bart, angetan mit einem safrangelben Gewand, wie er in die Hauslosigkeit gezogen ist. Er enthält sich nun des Tötens von Lebewesen, des Nehmens dessen, was nicht gegeben wurde und des Lügens. Er isst nicht mehr nachts, isst nur noch einmal am Tag, lebt keusch, tugendhaft und ist von edlem Charakter. Wenn du ihn so sähest, was würdest du mit ihm tun?" "Ehrwürdiger Herr, wir würden ihn ehrerbietig grüßen, uns vor ihm erheben und ihn zum Sitzen einladen. Wir würden ihn bitten, die vier Requisiten eines Mönches anzunehmen, und wir würden ihn, wie es das Gesetz vorsieht, Schutz und Schirm und Obhut angedeihen lassen. Doch, ehrwürdiger Herr, er ist ein unmoralischer Mensch mit schlechtem Charakter, wie könnte er jemals solche Tugend und Läuterung erfahren?" Da hob der Meister seinen rechten Arm und sagte zu König Pasenadi: "Hier, großer König, dies ist Angulimala." Als der König seine Fassung wiedergefunden hatte, ging er zum ehrwürdigen Angulimala und fragte ihn nach dem Familiennamen. Er erinnerte sich dann an die merkwürdigen Umstände und das Horoskop. Angulimala war der Sohn seines Hofpriesters! Der König war tief bewegt, dass es dem Buddha gelungen war, diesen grausamen Mann zu einem freundlichen Mitglied des Mönchsordens zu machen. Auf seiner Almosenrunde bekam Angulimala kein Essen, denn die Menschen rannten voller Furcht vor ihm weg und einige Menschen wurden ärgerlich: "Wie können diese Asketen einen notorischen Kriminellen ordinieren!" Mönche, die das hörten, erzählten es dem Buddha und der erließ die Regel, keinen notorischen Verbrecher zum Mönch zu weihen. Der Buddha wusste wohl, dass er das Potential des Guten, das auch einem Verbrecher innewohnt, zwar wahrnehmen konnte, dass aber diejenigen, die nach ihm kommen würden. wohl weder über die entsprechende Fähigkeit noch über die hierzu notwendige Autorität verfügten. Die Aufnahme früherer Verbrecher könnte auch Unbußfertige dazu verleiten, den Mönchsorden als Zuflucht vor Gefangennahme und Strafe zu verwenden. Einige wenige Menschen hatten schließlich Vertrauen in das Urteil des Buddha, änderten ihre Haltung Angulimala gegenüber und gaben ihm Almosen, wenn er vor ihrer Tür stand. Eines Tages sah Angulimala auf seinem Almosengang eine Frau in den Wehen. Sie hatte große Schwierigkeiten, ihr Kind zur Welt zu bringen. Sofort füllte sich sein Herz mit Mitleid und er berichtete dem Buddha. Dieser sagte zu ihm: "Geh wieder dorthin und sag zu jener Frau: "Schwester, seitdem ich geboren wurde, kann ich mich nicht erinnern, dass ich mit Absicht ein Lebewesen getötet habe. Aufgrund dieser Wahrheit möge es dir gut gehen, und dein Kind möge gesund sein." Doch Angulimala protestierte: "Wenn ich das sage, Meister, würde ich dann nicht vorsätzlich lügen? Denn ich habe mit Absicht vielen Lebewesen das Leben genommen?" "So sag denn, Angulimala, zu jender Frau: "Schwester, seitdem ich gesegnet bin mit edler Geburt, kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich jemals mit Absicht ein Lebewesen getötet habe. Aufgrund dieser Wahrheit möge es dir gut gehen, und dein Kind möge gesund sein." Angulimala ließ jener Frau mitteilen, er würde kommen. Die Menschen installierten einen Vorhang im Zimmer der Frau, auf dessen Seite sich ein Stuhl befand, auf dem der Mönch sitzen sollte. Als Angulimala das Haus dieser Frau betrat, tätigte er die "Wahrheitsbekräftigung", die ihm der Buddha vorgeschlagen hatte. Seine Worte entsprachen der Wahrheit, denn er hatte eine edle Geburt - eine spirituelle Wiedergeburt - erfahren, als der Buddha ihm zum Mönch geweiht hatte. Die Bekehrung seines Herzens gab ihm die Kraft, zu helfen und zu heilen. Diese Kraft war noch stärker als seine frühere, mit der er verletzt und getötet hatte. Durch die Macht dieser Bekräftigung kam das Kind auf die Welt, und Mutter und Kind blieben gesund. Das Ereignis erwies sich als große Hilfe für Angulimala. Die Menschen wurden mehr und mehr von seiner inneren Umwandlung überzeugt. Er selbst realisierte bald das höchste Ziel und wurde ein Arahat. Ganz zu Ende traf sein früherer Name Ahimsaka, der Ungefährliche, voll und ganz auf ihn zu. Ein Vers von ihm lautet: Willkommen bei der Wahl, die ich getroffen habe. Lasst sie stehen, sie ist nicht schlecht. Von allen Lehren, die die Menschen kennen, Habe ich die beste gefunden.
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