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Der Auftrag zur Verkündung der Lehre und die ersten Wanderungen des Buddha. |
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Der Erwachte weilte nun mit den ersten fünf Geheilten bei Benares am Sehersteine im Wildpark. Sie waren alle sechs Sakyer, also Fremde, und es bestand noch kein geistiger Kontakt mit der Bevölkerung. Die Schar der Sechs gehörte zu den zahlreichen dortigen Asketen, und sie gingen wie diese täglich auf den Almosengang in die Stadt. Manchem Bürger mochte vielleicht die abgeklärte Art auffallen, die sie von anderen Asketen unterschied. Der reichste Mann der Stadt war ein Kaufmann, ein lang ersehnter Sohn erhielt bei der Geburt den Namen Yaso. Der langersehnte Sohn wurde von seinen Eltern gehegt und gepflegt und mit allem erdenklichen Luxus ausgestattet, ähnlich wie der Bodhisatta in seiner Jugend. Und doch fühlte Yaso, dass ihm etwas fehlte, er wusste nur nicht was. Eines Nachts wachte er auf und machte einen Spaziergang, der ihm bis zum Seherstein führte, wo der Erhabene in den letzten Stunden der Nacht auf und ab ging. Als er den Erhabenen grüßte und sich zur Seite niedersetzte, gab der Erwachte zum ersten Mal jene Darlegung, die zahlreiche Male im Kanon der Lehrreden wiederkehrt, die Darlegung der Lehre in fünf großen Stufen. 1. Geben. 2. Tugend 3. Transzendenz 4. Mystik 5. Die vier edlen Wahrheiten. Es war ein denkwürdiges Ereignis in der Geschichte der Lehrverbreitung, als der Buddha Yaso zum ersten Mal jene fünfstufige Darlegung gab. Damit wurde die Grundlage für die Ausbreitung gelegt, eine Methode der Verkündung praktiziert, die von nun an immer wieder angewandt wurde. Yaso verstand die Lehre und wurde der erste im Hause Lebende, der die Frucht des Stromeintritts gewann. Als der Vater Yasos hinzukam, der seinen Sohn gesucht hatte, begann der Buddha auch mit ihm ein Gespräch, und er erlangte ebenfalls den Stromeintritt. Er lud dann den Buddha für den nächsten Tag zum Essen ein. Yaso aber war einer der seltenen Ausnahmefälle, in denen ein Mensch als im Hause Lebender die Triebversiegung erreichte. So wurde Yaso ordiniert. Bei dem Mahle am nächsten Tag belehrte der Buddha auch die Mutter und die Gemahlin Yasos, und auch sie gelangten in die Heilsanziehung, wurden die ersten Anhängerinnen. So gab es jetzt drei im Hause Lebende im Besitz des Stromeintritts. Und damit war der Bann in Benares gebrochen. Die vier besten Freunde Yasos wurden Mönche und Geheilte und dann ebenfalls fünfzig seiner Bekannten. Alle erlangten sie in wenigen Tagen, scheinbar mühelos, das höchste Asketenziel, so als ob sie nur auf diesen Augenblick gewartet hätten. Das waren die Wesen, um derentwillen der Buddha die Lehre verkündete. So gab es jetzt einundsechzig Geheilte in der Welt: Sechs Sakyer und fünfundfünfzig Benareser. Die erste von fünfundvierzig Regenzeiten seines Pilgerlebens als Heilslehrer verbrachte der Buddha bei Benares, wo er danach nie wieder eine Regenzeit verbrachte. Am Ende der drei- bis viermonatigen Regenzeitperiode, in welcher der Buddha und die Mönche nicht wanderten – etwa von Juli bis Oktober – versammelte er seine Mönche. Der Orden bestand damals ausschließlich aus Geheilten. Und zu diesen, allein zu diesen, sprach er: "Ihr Jünger, ich bin erlöst von allen Schlingen, himmlischen und irdischen. Und auch ihr seid von allen Schlingen erlöst, himmlischen und irdischen. Zieht aus, ihr Jünger, und wandert, zum Heil und Wohl für viel Volk, aus Mitleid zur Welt, zum Nutzen, zum Heil und Wohl für Götter und Menschen. Geht nicht zu zweien denselben Weg. Verkündet, ihr Jünger, die Lehre, die am Anfang herrlich ist, die in der Mitte herrlich ist, deren Ende herrlich ist, im Geist und im Buchstaben; verkündet den ganzen und vollen, reinen Wandel der Heiligkeit. Es sind Wesen edlerer Art, ohne Gehör der Lehre verlieren sie sich, die werden Erkenner der Lehre sein. Ich aber, ihr Jünger, werde nach Uruvela, nach dem Dorf des Feldhauptmannes gehen, die Lehre zu verkünden." In nichts so sehr beruht die mächtige Fähigkeit schnellen Wachsens, die einer solchen Gemeinde innewohnt, wie in ihrer Wandernatur; bald ist sie hier, bald da, erscheinend, verschwindend, zugleich an tausend Orten. Das Wichtigste aber an diesem Verkündungsauftrag des Buddha ist, dass er sich nur an Geheilte richtet, die von allen Trieben frei sind. Das bedeutet nicht, dass es etwa nichtheiligen Kennern der Wahrheit untersagt wäre, anderen nach bestem Können durch Mitteilung ihrer Lehrkenntnisse zu helfen; aber sie stehen nicht unter einem Lehrauftrag, der sie zum Lehreifer anspornen würde. Nur die Geheilten können das ideale Vorbild abgeben, nur sie können unbeeinflusst die Herzen der Menschen ganz verstehen, nur sie sind gefeit gegen jeden Machtmissbrauch und jede Gewalt gegenüber unvermeidlichen Gegnern. Und nur die Geheilten können die reine Wirklichkeitslehre verkünden ohne subjektive Zusätze und Sonderheiten und damit ohne Gefahr von Sektiererei und ganz ohne "missionarischen Eifer". All die unliebsamen Assoziationen, die verständlicherweise dem Missionsbegriff bei uns anhaften, sind bei der hier beschriebenen buddhistischen Mission ferngehalten. Sie erfolgte wahrlich ausschließlich zum Wohle und Heile der Menschen und zwar vielen zum Wohle und Heile und lange zum Wohle und Heile. Der Buddha selbst brach jetzt (es war etwa ein halbes Jahr nach der Erwachung) nach Uruvela auf und wanderte denselben Weg zurück, den er gekommen war. Unterwegs traf er eine Gruppe von dreißig Freunden, die ein Landpartie mit ihren Frauen gemacht hatten und in der schönen Umgebung rasteten. Einer von ihnen war unverheiratet gewesen und so hatte man für ihn eine Kurtisane engagiert. Diese wusste aber nichts Besseres zu tun, als in einem unbewachten Augenblick alle Wertsachen zu stehlen und damit das Weite zu suchen. Die Freunde liefen ihr nach. Dabei trafen sie den Erhabenen, der sich gerade unter einem Baum in der parkähnlichen Landschaft niedergesetzt hatte. Sie fragten ihn, ob er nicht eine einzelne Frau gesehen habe. Der Buddha erkundigte sich, was sie von der Gesuchten denn wollten. Da berichteten sie den ganzen Vorfall. Der Buddha fragte: "Wie denkt ihr darüber, ihr jungen Männer, was ist besser für euch, nach der Frau zu suchen oder nach euch selbst zu suchen?" Sie erwiderten, letzteres sei natürlich besser. Da lud der Buddha sie ein, sich niederzusetzen und ihm zuzuhören. Er belehrte sie in der fünfstufigen Weise, wie bei Yaso. Als die dreißig jungen Männer dies gehört hatten, baten sie wie aus einem Mund den Erhabenen um Aufnahme in den Orden, und sie wurden aufgenommen: Der Geringste von ihnen hatte den Stromeintritt, der Reifste die Nichtwiederkehr erlangt. Zu Uruvela wohnten brahmanische Waldeinsiedler und einer von ihnen, der hoch angesehen war, ein Feuerpriester und Asket, hieß Kassapo, nach dem Ort seines Verweilens Uruvela-Kassapo genannt. Der Buddha kam zu ihm, der fünfhundert Schüler betreute und bat um Unterkunft in seinem Feuerraum. Kassapo gewährte ihm gern die Bitte, gab aber zu bedenken, dass dort ein Naga-Geist hause, der Große Asket – so nannte er sofort den Buddha – möge achtgeben, dass er nicht verletzt werde. Der Buddha bewältigte den Naga-Geist und Kassapo staunte darüber, dachte aber bei sich: "Und doch ist er kein Vollendeter wie ich". Mit diesem Gedanken kommentierte Kassapo dann alle die ungewöhnlichen Ereignisse und sogenannten Wunder, die er in der nächsten Zeit am Erwachten sehen konnte. Kassapo bemerkte z.B. dass der Wohnplatz des Buddha nachts von großem Glanz erfüllt war und dass himmlisch-überirdische Gestalten sich dem Buddha ehrfurchtsvoll näherten. Da fragte er, wer das wohl gewesen sei. Der Buddha erwiderte: "Das waren die Vier großen Könige, die bei mir die Lehre hören wollten." Am nächsten Tag erwiderte er, dass Sakko, der Göttekönig, ihn besucht habe, und am übernächsten Tag, dass gar Brahma Sahampati bei ihm gewesen sei. Eines Tages erklärte der Buddha ihm: "Weder bist du, Kassapo, ein Vollendeter, noch hast du den Weg zur Vollendung betreten, noch wirst du auf deine bisherige Weise ein Vollendeter werden oder den Weg dazu betreten." Auf dieses vernichtende Urteil reagierte Kassapo spontan. Der über Hundertjährige fiel dem Buddha überwältigt zu Füßen und bat um Aufnahme in den Orden als sein Schüler. Durch wochenlange Vorbereitung war er dafür reif geworden, und sein Stolz beugte sich gegenüber dem ersten Menschen, den er als überlegen anerkennen musste. Der Buddha aber erwiderte, Kassapo sei doch Führer und Lehrer einer großen lang vertrauten Schülerschar – bevor er jenen Schritt tue, möge er sich erst mit seinen Schülern besprechen. Die Schüler aber, die baten auch den Buddha um Ordination. Sie warfen ihre sämtlichen Opfergerätschaften in den Fluss der Nerajara. Etwas unterhalb des Flusses lebten zwei Brüder mit dreihundert bzw. zweihundert Schülern. Auch sie wurden Schüler des Erwachten. Der Buddha zog nun mit seinen neuen tausend Mönchen zum Berg Gaya in der Nähe. Hier hielt er den tausend Mönchen, den einstigen Feuerpriestern, eine Lehrrede, eine Darlegung, die an das Feuerelement anknüpfte und als "Feuerpredigt" bekannt geworden ist. Nachdem der Erwachte seine Vorhaben in der Gegend von Uruvela erfüllt hatte, begab er sich mit der Schar der früheren brahmanischen Asketen jetzt nach der Landeshauptstadt Rajagaha. Bei dieser Wanderung des Buddha mit seinen über tausend Geheilten auf das kulturelle Zentrum des damaligen Indien zu mag sich in zweierlei Hinsicht ein Vergleich mit Rom aufdrängen. So wie Rom die Siebenhügelstadt hieß, so Rajagaha die Fünfhügelstadt, weil es in einem Talkessel lag, der von fünf Hügeln umgeben war. Und so wie es immer wieder Züge auf Rom gegeben hat, die das Bild des Landes völlig veränderten, so war dieser Marsch der Tausendschaft geheilter Mönche das Fanal für die völlige Umgestaltung des Landes.
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